Dressed to Kill: British Naval Uniform, Masculinity and Contemporary Fashions, 1748-1857 

Zwei Brüder von Jane Austen sind bei der Royal Navy, wahrscheinlich sind deshalb Marineoffiziere in ihren Romanen so positive Figuren. Beide werden es zum Admiral bringen. Und sie werden im Laufe ihrer Karriere unterschiedliche Uniformen anziehen müssen: in der Zeit zwischen der Französischen Revolution und Königin Viktoria wird die Uniform der Marineoffiziere ständig verändert. Auch die Marine ändert sich: „warrant officers“ werden plötzlich den Gentlemen gleichgestellt. Das berühmteste Beispiel ist Fletcher Christian, der ja niemals ein Leutnant der Marine war, sondern nur durch die Gleichstellung der „mates“ einen Quasi-Offizierstatus bekam. Dieses Buch ist eine Kostümgeschichte der Royal Navy von den Anfängen der Uniformierung der Seeoffiziere bis zum Jahre 1856. Als solches ist dieser Katalog der Ausstellung des National Maritime Museum von Amy Miller natürlich Pflichtlektüre für Leser von Patrick O’Brian, C.S. Forester, Alexander Kent und wie die Autoren alle heissen. Aber der Katalog der schön photographierten Uniformen (die alle ein bisschen anders aussehen als in den Filmen Hollywoods) macht nur die eine Hälfte des Buches aus. Die erste Hälfte ist eine Kulturgeschichte der englischen Marine und ihrer Uniformen, gekoppelt an eine Geschichte der englischen Herrenmode. Denn das Aufkommen einer genormten Uniform im 18. Jahrhundert läuft parallel zum Entstehen einer genormten Herrenmode für die neuentstehende „middle class“. An deren Ende so etwas wie Werthers Anzug steht, gelbe Hosen, Stiefel und blauer Frack, eine Mode für ganz Europa. Dieser Teil des Buches ist reich illustriert durch zeitgenössische Gemälde und Karikaturen (an denen die Zeit ja so reich ist). Natürlich haben wir auf den Bildern immer wieder Offiziere, die gegen alle Bekleidungsvorschriften verstossen. Exzentriker wie die Admirale Sidney Smith oder Thomas Cochrane tragen was sie wollen, sonst wären sie keine exzentrischen Engländer. Wahrscheinlich würden sie Regenschirme tragen, wie die Gardeoffiziere bei Waterloo, wenn die an Bord nicht so fürchterlich unpraktisch wären. Das wirklich wunderbarste Bild des Bandes findet sich auf S. 75. Es zeigt den jungen Seeoffizier Nelson mit einer Bärenfellmütze wie er auf einer Eisscholle mit einem Gewehr als Schlagestock einen Eisbären bekämpft. Mehr kann man nicht auf ein Ölbild tun, das einen Seehelden zeigt.

Advertisements