Beau Brummell 

Lord Byron hat einmal gesagt, dass die drei bedeutendsten Männer seiner Zeit (die alle mit dem Buchstaben B beginnen), Bonaparte, Brummell und Byron seien. Aber selbstverständlich sei Brummell der bedeutendste von den dreien. Ian Kelly hat den Mann, der bedeutender als Byron und Bonaparte ist, mit dieser Biographie einmal wieder aus der Vergessenheit geholt. Nicht dass es Brummell an Biographen gefehlt hätte, Captain William Jesse schreibt 1844 die erste. Und in den Erinnerungen seiner Zeitgenossen spielt der Dandy eine prominente Rolle. So zum Beispiel bei der amüsantesten Plaudertasche dieser Zeit, dem Captain Rees-Howell Gronow. Der sich vom Herzog von Wellington wegen seiner dandyesken Eskapaden tadeln lassen musste. Der Herzog, selbst ein großer Dandy, kann die ganzen Brummell Imitationen, die jetzt in seiner Armee auftauchen, nicht so recht ausstehen. Womit wir schon bei dem Einfluß wären, den Brummel auf die Herrenmode (und das bis zum heutigen Tag) hat. Aber es gibt noch einen anderen, bedeutenderen, Einfluß. Spätestens seit Baudelaire wissen wir, dass der Dandyismus zu einem ästhetischen Konzept geworden ist. Und die ganze Literatur des 19. Jahrhunderts beeinflußt: Byrons „Don Juan“, Stendhals „Le rouge et le noir“, Joris-Karl Huymans „A rebours“, Oscar Wildes „The picture of Dorian Gray“. Dieses Weiterwirken interessiert Ian Kelly nicht so sehr (obgleich er im Epilog darauf eingeht). Ihn interessiert der Mann George Bryan Brummell, den seine Epoche „Beau“ nennt. Und hier hat der Autor seine Hausarbeiten gemacht, er hat alles über Brummell gelesen. Und ein Quellenstudium betrieben. Sogar die Geschäftsakten der Firma James Lock & Co (dem berühmten Hutmacher) eingesehen. Und das Notizbuch von Brummells Schneider. Und das alles wird dem Leser elegant und flott serviert. Die Geschichte des Mannes, der die Londoner Society beherrscht und der im Asyl „Bon Saveur“ in Caen endet, wird wieder einmal erzählt. Aber exzellent und gut lesbar erzählt

Advertisements