Class 

Es ist schön zu sehen, dass das witzigste und gleichzeitig geistreichste Buch über die englische Klassengesellschaft nach 30 Jahren immer noch lieferbar ist. Es zeigt vielleicht auch, dass sich am englischen Klassensystem in den letzten 30 Jahren wenig geändert hat. Jilly Cooper ist das Beste gewesen, was der „Observer“ jahrelang zu bieten hatte, bevor sie sich auf das Schreiben von Blockbuster Liebesromanen verlegte. Die natürlich nicht die typischen Rosamunde Pilcher Liebesromane, sondern die typischen Jilly Cooper Liebesromane sind: frech, bösartig, geistvoll. Wie „Class“. Abgesehen davon, dass dieses Buch frech und witzig ist (und in den ersten zehn Jahren seines Erscheinens jedes Jahr neu aufgelegt wurde), ist es eigentlich eine ernstzunehmende soziologische Untersuchung der Engländer. Von John Majors Diktum, dass England eine „classless society“ sei, ist außer Gelächter wenig übrig geblieben. Jilly Cooper nimmt sich für jede Gesellschaftsschichte eine Musterfamilie mit sprechendem Namen, von Mr Definitely-Disgusting (working class) bis Harry Stow-Crat (natürlich ein Aristocrat) und verfolgt diese Familien von der Geburt bis zum Tod. Mit allen Sitten und Gebräuchen, Spleens und Überzeugungen. Das ist schreiend komisch und zugleich lebensecht. Man mag mit einem moralischen Unterton, wie es P.N. Furbank in „Unholy Pleasure, or The Idea of Social Class“ tut, dieses etwas perverse englische Insistieren auf Klassenzugehörigkeiten bedauern, aber man wird die Tatsache nicht leugnen können. Dieses Buch hilft einem, die Engländer zu verstehen. Für Anglistikstudenten sollte man es auf die Liste der Pflichtlektüre setzen. Für ihre Dozenten vielleicht auch.

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