Berliner Konfektion und Mode 1836 – 1939: Die Zerstörung einer Tradition 

Dies ist die zweite (und erweiterte) Auflage des Buches von 1986. Es ist in der „Reihe Deutsche Vergangenheit Stätten der Geschichte Berlins“ als Band 14 erschienen, und es ist nicht der unwichtigste Band in dieser Reihe. Uwe Westphal zeigt den Aufstieg der Berliner Modehäuser seit dem 19. Jahrhundert und ihre Zerschlagung durch die Nationalsozialisten mit einer Vielzahl von Abbildungen und Dokumenten auf. Obgleich die Berliner Mode in den fünfziger Jahren noch einmal versuchte (mit Couturiers wie Detlef Albers, Heinz Schulze-Varell und Gerd Staebe) an die große Zeit anzuknüpfen, blieb Berlin Modeprovinz. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, dass Berlin auf dem Gebiet der Damenmode einmal mit Paris mithalten konnte. Aber dies Buch ist kein Bilderbuch der Nostalgie einer großen Zeit. Dies ist das Buch eines kritischen Historikers, der schonungslos die so genannte „Arisierung“ der großen jüdischen Modegeschäft beschreibt. Und der Autor scheut sich auch nicht, die Namen dieser arischen Kriminellen zu nennen. Von denen viele wieder in den fünfziger Jahren (wie von Eelking oder Tübke) einflussreiche Positionen in der deutschen Konfektionsindustrie besaßen. Aber es ist auch eine Geschichte von vielen kleinen und großen (wie z.B. Wilfried Israel) Helden, jüdische Firmenbesitzer, die ihren Angestellten die Emigration und ein neues Leben in England ermöglichen. Während andere die Roben für die Gattinnen von Goering und Goebbels schneidern. Dieses Buch spiegelt unsere deutsche Tragik im so genannten Dritten Reich wieder. Es geht um die große Mode und um die Konkurrenz zu Paris, aber es geht noch mehr um Ausbeutung und Vernichtung. Hier wird die Vergangenheit lebendig, mit jedem untergegangenen Firmennamen. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass gleichzeitig mit diesem hervorragenden Buch ein Buch von Gloria Sultano „Wie geistiges Kokain. Mode unterm Hakenkreuz“ erschienen ist, das ähnliche Fragestellungen verfolgt, sich aber auf Wien konzentriert.

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