Seit den neunziger Jahren hat es auf dem Buchmarkt eine ständig wachsende Zahl von Publikationen gegeben, die sich der Herrenmode widmeten. Gutbetuchte aber geschmacksunsichere Herren sind sicherlich für Bücher wie Dress for Success von John T. Molloy, Bernhardt Roetzels Der Gentleman oder die Bücher von Alan Flusser dankbar gewesen. Was aber fehlte, war eine kostüm- und kulturhistorische Darstellung der Herrenmode. Für die Damenmode gab es so etwas sicherlich, wahrscheinlich ist die Damenmode für Kunsthistoriker und Soziologen ja auch interessanter. Das beste Buch der neunziger Jahre war sicherlich A History of Men’s Fashion von dem Sorbonne-Absolventen Farid Chenoune, das bei Flammarion in Paris in französischer und englischer Sprache erschien. 336 Seiten stark, hervorragend gedruckt und überreich mit Illustrationen ausgestattet. Dazu Fußnoten, eine Bibliographie und ein Register. Was kann man sich mehr wünschen? Vielleicht, dass das Buch nicht so stark auf Frankreich ausgerichtet gewesen wäre. Das ist aber auch das einzige Manko dieses Buches, das nicht nur eine Modegeschichte sondern auch eine Kulturgeschichte ist. Vom 18. Jahrhundert bis zur Hip Hop Mode verfolgt der Verfasser alle Wege und Irrwege der Herrenoberbekleidung und behandelt die Mode im kulturellen Kontext der jeweilen Epoche. Farid Chenoune hat in den folgenden Jahren eine Vielzahl von Büchern geschrieben, kleine Portraits einzelner Firmen, eine Geschichte der Dessous und zwei voluminöse Bücher über Dior und Yves Saint Laurent. Aber keins dieser Bücher kommt an die History of Men’s Fashion heran. Der Flammarion Verlag wäre gut beraten, es wieder einmal neu aufzulegen.

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