Als er Brief Encounter drehte, war sein Ruf als Schauspieler gesichert. Mit Carol Reeds The Third Man (für das Graham Greene das Drehbuch geschrieben hatte) wurde er wirklich berühmt. In einer anderen Graham Greene Verfilmung, The Heart of the Matter, hat er auch die Hauptrolle gespielt. Natürlich war er auch Captain Bligh in der Meuterei auf der Bounty. Und der Air Vice Marshal Keith Park in der Battle of Britain. Offiziere zu spielen gelang ihm immer, er war selbst einer im Zweiten Weltkrieg gewesen. War aber schon früh aus der Armee entlassen worden, angeblich wegen psychischer Instabilität. Wahrscheinlich hat er da schon getrunken. Er war ein legendärer Säufer. Ebenso wie Richard Burton, Oliver Reed und Peter O’Toole. Über die genialen Säufer der englischen Bühne gibt es ja hunderte von Anekdoten. Wenn mehrere Herren frühmorgens betrunken auf einer Londoner Straße lagen und Shakespeare zitierten, waren entweder Trevor Howard oder Peter O’Toole immer dabei. If I had all the money I’d ever spent on drink, I’d spend it all on drink, hat er einmal gesagt. Inzwischen gibt es nicht nur Anekdoten über die hellraisers sondern ein ganzes Buch von Robert Sellers: Hellraisers: The Life and Inebriated Times of Richard Burton, Richard Harris, Peter O’Toole, and Oliver Reed. Trotz ihres Alkoholkonsums haben die Herren es aber immer noch fertigbekommen, auf der Bühne oder vor der Kamera ihren Mann zu stehen und ihren Part zu spielen. Richard Burton kann ja meinetwegen soviel trinken wie er will, aber wie er mit seiner walisischen Sing-Sang Stimme Under Milkwood oder die Gedichte von Thomas Hardy spricht, das ist schon einsame Klasse.

Trevor Howard hat so ganz nebenbei auch Modegeschichte geschrieben. Nicht wegen dieses maßgeschneiderten Tweedanzugs (man beachte das lange Knopfloch am Revers!), sondern wegen des Kleidungsstücks, das er als Major Calloway in The Third Man trägt (während der Dreharbeiten soll er häufig auch noch seine alte Army Uniform getragen haben). Niemand hat in einem Dufflecoat so gut ausgesehen wie er. Ich ganz bestimmt nicht. Den ersten – den mir meine Eltern kauften als ich in einem Alter war, wo man sich noch nicht gegen den Geschmack der Eltern wehren kann – den habe ich gehasst. Meine Mutter hat mir dann noch ein rotes Tartanfutter reingenäht, damit er etwas hübscher aussah. Hat aber nicht viel geholfen.

Jahrzehnte später habe ich noch einen Versuch gemacht und mir eins dieser brettharten, schuß- und bißsicheren Teile gekauft, die man bei Ladage&Oelke in Hamburg bekommt. Trägt ja halb Hamburg und kommt sich damit furchtbar englisch vor. Aber mit diesem Dufflecoat bin ich auch nicht glücklich geworden, ich habe ihn eines Tages verschenkt, Englishness hin oder her.
Wir wissen natürlich alle, dass Monty so ein Teil getragen hat, aber eigentlich war der Dufflecoat ein Mantel der Royal Navy. So wie ihn Jack Hawkins in The Cruel Sea trägt. Erstaunlicherweise war er als Navyuniformstück nicht blau, der hatte genau die Farbe von Trevor Howards Mantel.
Wer den Mantel erfunden hat, ist nicht so ganz geklärt. Die Firma Gloverall, die immer noch diesen modischen Dauerbrenner herstellt, wird immer mit dem Teil in Verbindung gebracht. Allerdings hat mir ein Vertreter der Firma Tibbett einmal erzählt, dass seine Firma den Dufflecoat erfunden und als erste geliefert hat. Gloverall soll nur in dies Geschäft gekommen sein, weil sie nach Kriegsende die Reste der unverwüstlichen Navymäntel als navy surplus gekauft haben. Vielleicht ist diese Geschichte aber auch nur Seemannsgarn. Wie Gloverall ist Tibbett immer noch im Geschäft, auch wenn es nicht mehr die originale Firma ist, dafür steht jetzt der Name Montgomery auf dem Label der Dufflecoats.
Ich hoffe, Sie haben das bewundernd registriert, wie ich in einen Artikel über Trevor Howard eine kleine Geschichte des Dufflecoats eingeschoben habe. Ich komme damit Leserwünschen nach, die mir zum Jahresende übermittelt wurden, und die sich auf den Satz: wir wollen mehr Herrenmode in diesem Blog reduzieren lassen. Aber, mesdames et messieurs, die erste Woche des Jahres ist noch nicht zu Ende, und es gab schon Hüte und Dufflecoats. Mehr kann man nicht wollen.Wenn man wie Trevor Howard mit zwei Filmen (Brief EncounterThe Third Man) angefangen hat, die alle Filmkritiker zu den größten Werken der englischen Filmkunst zählen, dann wird man dieses Niveau nicht immer aufrechterhalten können. In dem doch etwas schrottigen Film Die Seewölfe kommen hätte er lieber nicht mitspielen sollen. Obgleich er auch diese Nebenrolle gut ausfüllt, er kann in Nebenrollen sehr gut sein. Wie zum Beispiel dem Dr. Rank in Loseys Verfilmung von Ibsens Nora (A Doll’s House 1973). Am besten fand ich Trevor Howard in einem Schwarzweißfilm, der überhaupt nicht mehr auf dem Markt zu bekommen ist, nämlich Carol Reeds Verfilmung von Joseph Conrad zweitem Roman An Outcast of the Islands. Mit einer Starbesetzung (Robert Morley als Almayer, Trevor Howard als Peter Willems und Ralph Richardson als Captain Lingard) war der Film 1953 bei den Kritikern ein Flop, gilt aber vielen Kritikern bis heute als die beste Joseph Conrad Verfilmung. Und manchen auch als die beste schauspielerische Leistung von Trevor Howard. So sagt Robert T. Moss – der jetzt das letze Wort über Trevor Howard haben soll – in seinem Buch über Sir Carol Reed: Trevor Howard, an actor of such consummate professionalims that he may never have given a less than competent performance, is at the top of his form in Outcast, which may be his best work as a film actor. It is most striking for the variety and intensity of passion that Howard was able to exhibit, a rare accomplishment from an actor whose countrymen are so noted for their sangfroid and emotional reserve. The spectrum of feelings through which Willem passes includes haughty smugness, disdain, ennui, cackling triumph, feverish love, rage, frenzy and morbid despair. His realization of these emotions never misses by a flicker.

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