Günter Erbe: Dandys – Virtuosen der Lebenskunst: Eine Geschichte des mondänen Lebens 

Über die Figur des Dandy ist viel geschrieben worden, natürlich auch von jenen Dandies, die selbst Schriftsteller waren, wie Barbey d’Aurevilly, Baudelaire oder Edward Bulwer-Lytton. Häufig ist das besser zu lesen, als was von Akademikern oder Feuilletonisten über den Dandy verfasst wird. Zumal sich die Akademiker sich auch nicht einigen können, welche Fakultät sich mit den Dandies beschäftigen soll. Man kann das in der Romanistik ansiedeln, dann wäre Hans Hinterhäuser einer der ersten, der sich mit dem Thema beschäftigt hat. Man kann von der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft herkommen wie Hiltrud Gnüg mit ihrem Buch Kult der Kälte, einem sprachlich nicht ansprechenden und sachlich fehlerhaftem Werk. Oder man kann das Thema von der jetzt neu etablierten Kulturwissenschaft her angehen – wenn man es nicht dem Feuilleton oder Karl Lagerfeld überlassen will.

Und von der Kulturwissenschaft kommt Günter Erbe, und sein Buch ist seit ganz, ganz langer Zeit das Seriöseste, was über die Dandies geschrieben worden ist. Es beginnt mit Beau Brummell (obgleich man sich hier vielleicht ein erstes Kapitel über die ersten Regungen des Dandyismus im ausgehenden 18. Jahrundert gewünscht hätte) und endet mit der Zeit von Marcel Proust. Führt dann aber noch das Thema mit einem Ausblick auf den Dandy im Zeitalter der Massenkultur weiter. Das Buch besitzt eine vorzügliche Bibliographie – da haben die Möchtegern Dandy-Theoretiker noch viel zu tun, bis sie sich da durch gearbeitet haben. Und zu allerletzt: die Buch ist nicht nur seriöse Kulturwissenschaft, es ist auch gut zu lesen! Da sagen wir doch chapeau! und ziehen unseren seidenen Zylinder. Und stellen ihn so auf dem Boden ab, wie Marcel Proust das in A la recherche du temps perdu beschreibt.

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