Anne Hollander: Seeing Through Clothes 

So inhaltsreich die Kostümgeschichte von Erika Thiel ist, es ist das Verdienst der New Yorker Kunsthistorikerin Anne Hollander, die kulturgeschichtliche Betrachtung der Kleidung in eine neue Dimension gehoben zu haben. Dieses Buch wird ein Standardwerk bleiben, und die letzten 30 Jahre, in denen immer mehr Modebücher erschienen sind, haben diesem Buch nichts anhaben können.

Hollander hatte wenige Jahre später bei Alfred A. Knopf noch ein Buch mit dem Titel Sex and Suits: The Evolution of Modern Dress herausgebracht, was sicherlich voll im Armani Wahn der damaligen Zeit war, was auch sehr witzig geschrieben war. Aber nie den intellektuellen Tiefgang von Seeing Through Clothes erreichte. Dieses Buch ist Modegeschichte und Kunstgeschichte zugleich. Reich illustriert, von Evas Feigenblatt bis zur Stilikone Audrey Hepburn. Jeder hochgejubelte „Designer“ erzählt hat heute ins Mikrophon, dass seine neueste Modelinie eine „Philosophie“ habe. Was soll denn an Armani, Raf Simon oder Yamamoto Philosophie sein? Überteuerte Preise, sonst nix. Und das alte Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Nein, wer eine wirkliche Philosophie der Kleidung sucht, der sollte dieses Buch kaufen.

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