In den letzten fünfzehn, zwanzig Jahren sind eine Vielzahl von Büchern zum Thema Herrenmode erschienen. Mehr oder weniger gut geschrieben, mehr oder weniger zuverlässig. Meistens weniger. Offensichtlich haben Verlage hier eine Marktlücke entdeckt. Die sicher auch da war, denkt man ein halbes Jahrhundert zurück, da gab es so gut wie gar nichts zu dem Thema. In Zweifelsfällen hielt man sich in dieser geschmacksunsicheren Zeit (aber welche Zeit ist das nicht?) an Benimmbücher wie das von Erica von Pappritz. Über die Walter Sieburg (der in Lauter letzte Tage die Kombination von Flanellhose und Tweedjackett als den Höhepunkt der männlichen Eleganz pries) einmal sagte: Allen Beteiligten wäre gedient, wenn Fräulein Pappritz… in den wohlverdienten Ruhestand träte. Aber der große Einfluss des ehemaligen NSDAP Mitglieds Pappritz in dieser Zeit kann nicht geleugnet werden. Von der Pappritz nahm damals jedermann fälschlicherweise an, sie sei eine von Pappritz: dem Adel traut man ja seit den Tagen des Freiherrn ➱Adolph Knigge immer eine Besserwisserei in allen Fragen der Form zu. Es wäre nur schön, wenn man den Freiherrn Knigge wirklich einmal gelesen und verstanden hätte.

Natürlich gab es damals keine deutschen Herrenmodezeitschriften en masse so wie heute. Gut, es gab einige wenige, aber die gelangten über den Fachhandel nicht hinaus. Für die Damenwelt sah das Ganze natürlich ganz anders aus, die wurde von der Modeindustrie bestens über die neuesten Entwicklungen unterrichtet. Und das schon übrigens schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, als die ersten ➱Modezeitschriften aufkamen. Für die Herren der Schöpfung war Mode nach 1945 das, was in den Schaufenstern lag oder in den Katalogen der aus dem Boden schießenden Versandhäuser abgebildet war. Oder das, was ihre Frauen ihnen kauften. Die ihre Gatten sicherheitshalber lieber als unscheinbare graue Mäuse verkleideten. Das hat sich bis heute – auch wenn das Ganze vielleicht etwas bunter geworden ist – kaum geändert. Die berühmte Szene, die Loriot beim ➱Anzugkauf in einem Herrenoberbekleidungsfachgeschäft zeigt, ist praeter propterheute immer noch aktuell.

Denn die Explosion der Publikationen zur Herrenmode scheint in einem umgekehrten Verhältnis zur Wirklichkeit zu stehen. Ein kritischer Rundblick auf die Männerwelt bei einem Empfang, einer Vernissage oder im Theater zeigt uns, dass die schönen und nützlichen Bücher von ➱Alan Flusser oder ➱Bernhard Roetzel ohne jede Wirkung geblieben sind. Wir können bei diesem Blick die Augen vornehm gesenkt lassen: ein Blick auf die Schuhe reicht aus. Der Rest ist Schweigen. Es gibt offensichtlich kein Bewusstsein für die richtige Kleidung zum richtigen Anlass mehr. Vor einem halben Jahrhundert konnte man bei einer Beerdigung noch davon ausgehen, dass die Trauernden in förmlich schwarzer Kleidung in der Kapelle saß, das ist heute nicht mehr der Fall. Was der amerikanische Soziologe Richard Sennett in The Fall of Public Man für die amerikanische Gesellschaft skizziert hat, ist längst von der Wirklichkeit überrollt worden. Wenn der französische Soziologe Pierre Bourdieu in seinem umfangreichen Werk Die feinen Unterschiede an einer Stelle die Bemerkung einfließen lässt, dass für die französische Bourgeoisie die Welt zusammenbrach, als die ersten Gymnasiallehrer statt mit Schlips und Kragen in der Schule zu erscheinen, 1968 plötzlich Rollkragenpullover trugen, ist diese kleine Detail sicherlich von symbolischer Bedeutung. Die Welt ist nicht zusammengebrochen, die der Manieren und der Kleidungskultur vielleicht. Für den Herausgeber der Zeit Josef Joffe hieß es zwar in einer ➱Kolumne am 8. September 2011: Schlips ist Schicksal (mit dem Untertitel Der krawattenlose Mann ist der Untergang des Abendlandes), aber ich glaube, das war nicht so ernst gemeint.

Ich würde gerne einmal in diesem Blog (in loser Folge) einige wichtige Bücher zur Herrenmode vorstellen. Ich habe ja schon einmal in knapper Form die Bücher zum Thema ➱Film und Modeerwähnt. Am schönsten wäre natürlich ein richtiger Forschungsbericht, aber das wird niemand freiwillig machen. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf diese ➱Bibliographie! Mehr als zweitausend Titel – und längst nicht vollständig. Mein kleines Projekt wird nicht unter dem Schlagwort Bücher, die die Welt veränderten laufen, weil Modebücher die Modewelt kaum verändert haben. Aber sie haben ihre Funktion für die jeweilige Zeit gehabt, weil man von den Büchern auch auf die Gesellschaft zurück schließen kann. Mode ohne sozialen Kontext geht nicht, das muss uns klar sein.

Ich beginne heute einmal mit dem Lexikon der Herrenmode von Hermann Marten von Eelking, das 1960 im Musterschmidt Verlag in Göttingen erschien und damals eine Art Bibel der Herrenkonfektion war. 482 Seiten stark, reich mit Zeichnungen und Photographien bebildert. Es ist der erste Band eines auf zwei Bände geplanten Lexikons, das heute eine Art archäologischer Bestandsaufnahme der fünfziger Jahre Mode ist. Die Stichworte, die der zweite Band enthalten sollte, sind auf den letzten drei Seiten aufgelistet. Allerdings ist der damals sehnsüchtig erwartete Band nie erschienen. Ein großer Teil der Stichworte der Lexikons (das von Abendanzug bis Zylinderreicht) ist vorher häppchenweise in der Modezeitschrift Herrenjournalabgedruckt worden. Ähnlich ist der Verfasser bei seinem 1962 erschienenen Buch Das Bildnis des eleganten Mannes: Ein Zylinderbrevier von Werther bis Kennedy verfahren.

Der Autor dieses Lexikons, der das Vorwort als Baron von Eelking signiert (was ja nun wirklich nicht die feine Art ist) stammt aus einer alten Bremer Familie. Ein Max von Eelking (der Urgroßvater von Hermann Marten von Eelking) war der Kommandeur der Bremer Bürgerwehr in der nach-napoleonischen Zeit, sein Sohn, der General Max von Eelking, war ein bedeutender ➱Militärschriftsteller. Dessen Bruder Hermann von Eelking ist ein angesehener Bremer Arzt, Naturforscher und Kunstsammler. Der schöne Satz Eelking entstammt einer alten bremischen Patrizierfamilie die elf Bemer Bürgermeister stellte, ist allerdings kaum richtig, es war wohl nur ein einer, nämlich Martin Eelking (Bürgermeister von 1781 bis 1782).

Unser Hermann Marten von Eelking ist im Ersten Weltkrieg Kavallerieoffizier in einem Berliner Garderegiment. Das sind diejenigen, die sich für etwas Besseres als den Rest der Menschheit halten. Natürlich auch in Modedingen. Das lässt der Autor des Lexikons den Leser von Das Bildnis des eleganten Mannes ständig spüren. Eelking gründet 1928 das Deutsche Institut für Herrenmode. Die Zeitschrift Herrenjournal ist auch sein Kind, bevor die ZeitschriftHerrenjournal hieß, hatte sie den Namen ➱Der Modediktator: Die Zeitschrift für den gut angezogenen Herrn und alle seine Lieferanten.Die Zeitschrift wird von manchen als das deutsche Äquivalent für das amerikanische Magazin Apparel Arts gesehen, das Arnold Gingrich 1931 herausgab (bevor er Esquire erfand). Inhaltlich unterscheidet sichApparel Arts (das zugleich commercial und cultural sein will) doch von Eelkings Herrenjournal, wenn Sie ➱hier mal hineinschauen, wissen Sie, was ich meine.

Wenn wir nicht nach Amerika schauen, sondern in Berlin bleiben wollen, dann könnten wir natürlich einmal einen Blick in Die Dame (mit dem Untertitel Illustrierte Mode-Zeitschrift) werfen, die von 1911 bis 1943 im Ullstein Verlag erschienen ist (und die durch die sogenannteArisierung 1937 ein wenig an Niveau verlor). An das Niveau dieser Modezeitschrift kommt EelkingsHerrenjournal nicht annähernd heran. Ich kann den modeinteressierten Lesern nur empfehlen, die letzten Exemplare von Die Dame: Ein deutsches Journal für den verwöhnten Geschmack. 1912 bis 1943 von Christian Ferber aufzukaufen. Das ist wirklich ein gut gemachtes Dokument der Zeit und des sich wandelnden Geschmacks.

Bei den Nazis war der Ulanenoffizier Eelking sofort dabei, und 1934 bringt der Hauptmann a.D. und Obertruppführer im Stab der berüchtigen SA-Brigade 31 Berlin-Brandenburg das BuchDie Uniformen der Braunhemden (hier im ➱Volltext) auf den Markt. Das Buch musste geschrieben werden, denn Die Soldaten der braunen Armee die den Sieg des Nationalsozialismus vorwärtstragen, haben es verdient, daß auch jeder andere gute Deutsche ihre Uniformen genauso kennt wie er früher über Chargen und Regimenter der alten Armee Bescheid gewußt hat. Der schneidige Soldat auf diesem Herrenjournal hier ist übrigens von Ernst Kretschmann, dessen eleganter Strich so viele modische Titelbilder von unübertrefflicher Eleganz geschaffen hatte (so sein Freund Eelking). Noch mehr als in den Dienst der Herrenmode hat sich Kretschmann allerdings in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt. Seine Bilder von ➱Kreta- oder Narvikkämpfern sind heute noch im Angebot von Neonazi-Versandbuchhandlungen erhältlich.

Lassen wir einmal Eelkings Karriere unter den Nazis in Berlin beiseite, Uwe Westphal hat in seinem bemerkenswerten Buch Berliner Konfektion und Mode 1836-1939: Die Zerstörung einer Tradition klar gemacht, was er von Leuten wie dem Baron hält. Und es wäre sicherlich auch heilsam, statt eine Vergötterung des Herrn von Eelking zu betreiben (wie es erstaunlicherweise mancherorts geschieht), einmal an das Schicksal des Berliner Warenhauskönigs ➱Wilfrid Israel zu denken. Von 1945 bis 1949 scheint es bei unserem Herrenmenschen irgendwie einen Karriereknick gegeben zu haben. Aber die fünfziger Jahre sehen den Baron Hand in Hand mit den Größen der deutschen Konfektionsindustrie, die den Grundstein ihres Vermögens mit der Arisierung jüdischer Firmen gelegt haben. Und natürlich ist er ab 1950 wieder Chefredakteur des Herrenjournals und Leiter des neu gegründeten Instituts für Herrenmode.

Und der Herrenreiter ist wieder der Hohepriester der Herrenkleidung, diese Rolle als arbiter elegantiarum soll er angeblich schon in den dreißiger Jahren in Berlin gehabt haben, allerdings wird er von keinem Schriftsteller oder Essayisten von Rang und Namen im damaligen Berlin erwähnt. Höchstens vielleicht von seinem Freund, dem Schriftsteller Friedrich Freksa, dessen Schriften wie Kapitän EhrhardtOhm Krüger: Sein Leben – ein Kampf gegen England oder Wir durchstoßen die Maginotlinie! 1945 alle auf der Liste der auszusondernden Literatur der Alliierten standen. Das ➱Buch des braunen Barons natürlich auch. Die unangefochtene Position in der Herrenmode der fünfziger Jahre verdankt der Journalist von Eelking vielleicht seinen tausend Krawatten, auf jeden Fall aber der sartorialen Armut der Zeit: wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.

Es ist natürlich auch eine Zeit ohne wirkliche Mode. Denn die fünfziger Jahre sind in der Herrenkonfektion eine stehengebliebene Zeit. Die einzigen modischen Veränderungen finden sich in den aufblühenden Jugendkulturen wie Teddy Boys, Mods, Hipsters und Bikers – was nun definitiv nicht die Welt von Herrn von Eelking ist. Immerhin hat er in seinem Lexikon einen offensichtlich mit Abscheu geschriebenen Artikel zu Teddy-Boys, der mit mit dem Satz endet: Immerhin war das Auftreten der Teddy-Boys sehr instruktiv dafür, wohin eine Mode kommen kann, wenn sich Unberufene ihrer bemächtigen. Mode ist etwas für Berufene. Wie Hermann Marten von Eelking. Vielleicht sagt diese kleine Anekdote alles: „Es ist mir ein Rätsel, Baron, wie Sie vier Fortsetzungen ‚Für oder wider den weißen Pikeestreifen am Frackhemd‘ schreiben können“, wurde er einmal gefragt. „Mein lieber X., das kann man auch erst verstehen, wenn man bereits in der dritten Generation Kultur hat!, war die Antwort. Ja, das ist die richtige Attitüde: drei Generationen Kultur. Da braucht man dann auch nicht zu erwähnen, dass der Urgroßvater ein höchst zweifelhafter Geselle war, der ein großes Vermögen verspekulierte und ein Jahr nach der Hochzeit Frau und Kinder verließ. Und der Großvater in geistiger Umnachtung Selbstmord beging. Und man selbst bei den braunen Horden der SA war.

Da ich den Einfluss der Jugendkulturen auf die Mode der fünfziger Jahre erwähnte: Wer sich schnell über die Kleidungskulturen der Nichtberufen der youth culturesorientieren möchte, dem sei das Buch ➱Street Style: From Sidewalk to Catwalk von Ted Polhemus (ein Begleitbuch zu einer Ausstellung des Victoria & Albert Museums) empfohlen. Polhemus ist studierter Anthropologe, er erforscht eine Kultur deskriptiv, nicht präskriptiv. Wissenschaftlichkeit ist nicht die Sache des deutschen Barons, sein Stil ist eher von dem geprägt, was der Engländer so schön sweeping statement nennt.

Das liest sich mitunter ganz gefällig, wenn man zum Beispiel sein BuchDas Bildnis des eleganten Mannes: Ein Zylinderbrevier von Werther bis Kennedy von 1962 betrachtet, wahrscheinlich sein bestes Buch (ich besitze sogar ein signiertes Exemplar). Wenn man aber einmal eine wirkliche Kulturgeschichte dagegen hält, wie zum Beispiel Sir Harold Nicolsons Good Behaviour, being a Study of Certain Types of Civilityoder Irene Brins Morbidezza: Kleine Geschichte des Snobismus zwischen den großen Kriegen, dann werden die intellektuellen und stilistischen Defizite des Herrn von Eelking schnell deutlich. Sie sind eklatant, wenn es um die ➱Philosophie geht, denn seit der deutsche Philosoph Christian Garve 1792 sein Buch Über die Moden schrieb, ist die Mode immer im Blickfeld der Philosophie gewesen. Aber Georg Simmels ➱Psychologie der Mode von 1895 ist unserem Ulanenoffizier ebenso fremd wie John Carl Fluegels Psychology of Clothes von 1930. Falls es Sie interessiert, hätte ich ➱hier eine schöne Seite zu Modetheorien.

So zeittypisch die Artikel des Lexikons sind, so sind sie leider auch voller Fehler, als ernstzunehmendes Modelexikon sind die Phantasien des Verfassers völlig ungeeignet. Wenn ich für jeden Fehler, den ich im Lexikon anstreiche, zehn Euro bekommen würde, würde mich eine Überarbeitung des Lexikons schnell reich machen. Es gibt Kleinigkeiten (?) wie falsche Daten und Namen, Peinlichkeiten wie Sir Lipton (muss natürlich Sir Thomas Lipton heißen). Und das Wort fashionable war nicht zuerst ein Substantiv, um dann ein Adjektiv zu werden. Bei allem was aus dem Englischen kommt – und das ist in der Geschichte der Mode doch sehr viel – hat der Verfasser große Schwächen. Am Ende des 19. Jahrhunderts verwandelte dann Mr. Poole, damals führender Schneider und dann später allgemein als Nestor dieses Handwerks angesehen, das vornehme Haus Nr. 2 in ein Geschäftshaus. So erhielt die Savile Row allmählich ihre Bedeutung als Stätte der feinen Schneiderei. Klingt gut, ist aber von vorne bis hinten falsch. Als Henry Poole (den Vornamen kennt Eelking nicht, aber dafür wirft er das WortNestor in den Satz, das klingt dann bedeutend) 1846 den Seiteneingang zur Savile Row von der Werkstatt seines Vaters James Poole (die in der Nummer 4 der Old Burlington Street war) zum Haupteingang macht, ist er nicht der einzige Schneider in der Savile Row. Und das ist 1846, nicht am Ende des 19. Jahrhunderts. Und die Hausnummer stimmt natürlich auch nicht. Ich könnte jetzt stundenlang so weitermachen, aber es wird doch etwas öde.

Vieles ist auch einfach seiner Phantasie entsprungen ist – all das, was er über schottische Tartans schreibt, ist von keinerlei Sachkenntnis getrübt. Quellen, Belege oder weiterführende Literaturhinweise enthält das Lexikon sowieso nicht. Modegeschichtlich seriös wie Reclams Mode- und Kostümlexikon von Ingrid Loschek ist Eelkings Lexikon auf keinen Fall. Seriös ist es auch nicht, wenn es in einem Lexikon ein puffing für bestimmte Firmen gibt. So finden wir einen längeren Artikel über die Krawattenfirma Edsor Kronen und ihren Besitzer Fritz M. Tübke. Das ist einer der besten Freunde von Eelking, der (so Wikipedia) an der „Arisierung“ der jüdischen Firma von Ildefons Auerbach in der Leipziger Straße 58 in Berlin beteiligt war und diesem Umstand den wirtschaftlichen Aufstieg seines Unternehmens, der „Kronen-Krawattenfabrik“ verdankte. Und der mit Eelking zusammen das Deutsche Mode-Institut e.V. in Berlin und Düsseldorf gründete.

So nett eigentlich Eelkings Lexikon im Ansatz ist, es gibt ein besseres Lexikon der Mode (Damen- und Herrenmode) in deutscher Sprache. Nämlich das der viel zu früh gestorbenen Ingrid Loschek. Das enthält nicht nur einen 400-seitigen Lexikonteil, sondern auch gleich am Anfang eine kurze Geschichte der Mode durch die Jahrhunderte. Weiterhin gibt es am Ende ein Verzeichnis der wichtigsten Modeschöpfer und weiterführende Literatur. Und dazwischen alles von Aba (dem Hauptobergewand der Araber) bis Zylinder. Zweitausend Sachartikel mit ausgesucht guten (leider nur kleinen) Illustrationen, Kulturgeschichte und textiles Nachschlagewerk in einem. Bügelfalte,BüstenhalterSchillerkragen und Halbstarkenmode, kein modischer Fachbegriff (und keine Verirrung der Mode) entgeht der Autorin. Deutschlands vielleicht wichtigster Beitrag zur Herrenmode, der scheußliche Kleppermantel, ist natürlich auch drin.

Für mich ist das Lexikon der Herrenmode ein Stück liebenswerter Nostalgie. Ich gebe mein Exemplar natürlich auch nicht her, obwohl Sammler dafür heute richtiges Geld bezahlen würden. Ich mag es, weil es ein Teil von meinem Leben ist. Weil ich es vor fünfzig Jahren für Wochen geliehen bekam (und beinahe auswendig lernte), so wie ich damals auch immer das Herrenjournal geliehen (und manchmal geschenkt) bekam. Das, was der Freiherr von Eelking trug (und er war ja ständig in seinen Publikationen abgebildet), reizte mich niemals zur Nachahmung. Er war für mich eine Kleiderpuppe für absonderliche Modetorheiten. Ich hatte längst den englischen Gentleman als Stilideal entdeckt. Eelkings Kleidung war ein verzweifelter verschmockter deutscher Dandyismus aus einer anderen Zeit. Irgendwie schien er sich an Boni de Castellane zu orientieren, der ja im Alter auch eine komische Figur bot.

Der Blog ➱Camlots Custom Made hat eine schöne Sammlung von Modezeichnungen, aus denen ich mich auch bedient habe. Ich hoffe, die sind mir nicht böse.