Heute vor hundertzehn Jahren starb der am 26. Februar 1829 als Löb Strauß in Buttenheim geborene Levi Strauss. Dies hier soll die älteste Jeans der Welt sein, angeblich von Levi Strauss selbst geschneidert. Doch die Geschichte ist wahrscheinlich nicht wahr, vieles in der firmeneigenen Historie stammt aus den Federn der Werbeabteilung. Das ist wie bei Rolex, man erfindet sich gerne seine Vergangenheit, wenn man etwas verkaufen will. Die Firma Levis gibt es heute immer noch, sie ist immer noch im Familienbesitz. Aber irgendwie sind ihre Jeans nicht mehr das, was sie mal waren. Ich habe noch ein Paar alte 501 aufbewahrt. Sind ein halbes Jahrhundert alt, ich passe nicht mehr rein. Aber ich mag sie nicht wegwerfen, es ist einfach ein Stück Nostalgie. Das feeling nearly fades as my jeans aus Kristoffersons ➱Me and Bobby McGee bekommt eine neue Bedeutung. Damals waren Levis 501 in der Hierarchie der Jeans ganz weit oben, die Röhrleshosen von Herrn Sefranek waren ganz unten. Me and Bobby McGee ist als Song ja O.K., klingt authentisch nach Levis 501. Wir dagegen haben Udo Jürgens: Leben in Blue Jeans / Jenseits der Zwänge, Baby / Freiheit und Liebe / In mir – oh, ho / Leben in Blue Jeans / Raus aus der Enge, Baby / Über die Grenzen / Mit dir – oh, ho. Und das ist definitiv nicht das authentische Jeansgefühl, da schmeckt man Sefraneks Röhrleshosen durch.

Damals waren Levis Jeans auch noch Made in USA. Heute kommen Levis Jeans aus Bangladesh (oder sonst wo her) und sind eigentlich Wühltischware. Sie haben von der Qualität her auch keine Chance gegen, sagen wir mal, ➱Jacob Cohen Jeans. Vor Jahren begann Levis in den USA eine neue, ➱Go Forthbetitelte, Werbekampagne, in der die Firma amerikanische Gedichte mit ihren Jeans verknüpften. Also zum Beispiel ➱Charles Bukowski, der bestimmt Jeans getragen hat. Weil man die Rotweinflecken da leicht rauswaschen konnte. Aber hat Walt Whitman Levis Jeans getragen? Wohl kaum. Als Kommentar zu dem Levis Werbevideo bei ➱You Tube habe ich dies hier gefunden: The top rated comments are defending this? Whitman’s poem was a hopeful declaration of the American spirit; transcendentally just and equal, deliberate and incessant. But here we have that reduced to a pair of jeans. Is this some genius speaking through satire or has consumerism become this crass? The American dream of independence and self-actualization has become a pair of over-priced jeans. Vielen Dank newwind07. Mehr braucht man dazu auch wirklich nicht zu sagen.

Ich hätte noch einen Lesetip: Une histoire du blue-jean von Friedmann Daniel, auf deutsch als Das Jeans-Buch im Berliner Transit Verlag erschienen. Ist natürlich vergriffen, lohnt aber die Suche. Daniel Friedmann ist Anthropologe, ein Kollege von dem berühmten Claude Lévi-Strauss, der zu seinem Leidwesen immer mit dem Erfinder der Blue Jeans verwechselt wurde. Er erhielt ständig Briefe, in denen der Wunsch nach einem speziellen Modell geäußert wurde, Bargeld war beigefügt. Natürlich haben die Anthropologen und Volkskundler inzwischen eine Menge zu dem Deutschamerikaner Levi Strauss zu sagen, wie ➱Hermann Bausingermit Jeans – Beiträge zu Mode und Jugendkultur bewiesen hat.

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