Als ich letztens über ➱Michel de Montaigne schrieb, hatte ich zufällig ein Zitat gefunden, das mir sehr gut gefallen hat: Wenn wir hingegen einen Bauern und einen König betrachten, einen Adeligen und einen Bürgerlichen, eine hohe Amtsperson und einen gewöhnlichen Sterblichen, einen Reichen und einen Armen, dann springt uns prompt ein riesiger Unterschied in die Augen, obwohl sie sich doch, so könnte man sagen, durch nichts anderes als ihre Hosen unterscheiden. Und da ich am selben Tag bei meinem Herrenausstatter eine tolle Flanellhose in der Hand hatte, dachte ich mir, dass ich eigentlich einmal etwas über Flanellhosen schreiben müsste. Ein Kleidungsstück, wenn es aus dem richtigen Stoff und von richtigem Schnitt ist, für Könige und Adelige.

Es ist eigentlich passend, dass Montaigne über Hosen schreibt, die ja, wie er hochironisch am Ende von Des Cannibales schreibt, zivilisierte von unzivilisierten Völkern unterscheiden: Tout cela ne va pas trop mal: mais quoi, ils ne portent point de hauts-de-chausses. Denn Montaigne kommt aus Gallien, wo man bekanntlich die ersten Hosen trug. Auf jeden Fall weiß das noch der Brockhaus von 1838: Hosen, Beinkleider, (franz.) Pantalons, sind ein jetzt bei den gebildeten Völkern allgemein gebräuchliches Kleidungsstück, welches jedoch die alten Völker nicht kannten. Griechen und Römer trugen keine Hosen. und nur erst in den spätern Zeiten kamen dieselben wahrscheinlich aus Gallien nach Rom. Daß in Gallien die Beinkleider schon Sitte waren, als die Römer in das Land kamen, sieht man daraus, daß ein Theil Galliens von ihnen Gallia braccata, d.h. das behoste Gallien, genannt wurde. Die ursprüngliche Gestalt der Hosen war gewiß die enge und lange, sodaß die Hosen zugleich die Stelle der Strümpfe vertraten. Erst später sonderten sich die letztern als besonderes Kleidungsstück ab und man trug Beinkleider, welche nur bis zum Knie reichten. Die Moden haben häufig gewechselt.

Die Flanellhose, die ich in der Hand gehabt hatte, war eine Einzelanfertigung für einen Kunden. Der Stoff kam von Vitale Barberis Canonico, er fühlte sich unglaublich weich an. War wieder so etwas von diesen Super Hundert Stoffen, mit denen sich die italienischen Weber überbieten. Die Firma ➱Vitale Barberis Canonicoscheint zur Zeit gut im Geschäft zu sein, besonders bei den Herstellern von Made to Measure Kleidung. Man sollte sie nicht mit der Firma ➱Carlo Barbera verwechseln, die noch viel exklusiver ist. Kiton weiß schon schon, warum sie sich vor Jahren diese Weberei gekauft haben. Ich könnte jetzt stundenlang über all diese Weber schreiben, deren kleine Etiketten unsere Kleidungsstücke verzieren, aber ich schenke mir das mal für einen eigenen Post. Auch wenn die italienischen Weber den englischen Webern in Yorkshire mittlerweile den Rang abgelaufen haben, gibt es immer noch eine Firma in England, die mit makers of the world’s finest flannel wirbt. Da können sie bei Cerruti one of the famous flannels auf die Etiketts schreiben so lange wie wollen, gegen die Firma ➱Fox Brothers & Co. in Somerset kommen sie nicht an.

Meine erste Flanellhose war vor einem halben Jahrhundert schwer zu finden. Obgleich es damals noch Läden gab, die nichts anderes als Hosen führten. Ich hatte ja, zum Entsetzen meiner Eltern, ganz klare Vorstellungen davon, wie meine Kleidung sein sollte. Bei einer Flanellhose ist es ja nicht nur die Qualität des Stoffes, auch die Farbe und der Schnitt müssen stimmen. Bei den Stoffen gab es damals noch nicht die Auswahl, die der Kunde heute hat. An all diese Super 100 bis Super 150 Qualitäten war nicht zu denken, Flanell war fingerdick. Da musste man sich in die Hose hinein wohnen, mit den Jahren wurde sie dann immer weicher und schöner. Wenn sie nach fünfzehn Jahren ihren Idealzustand erreicht hatte, war sie meistens auch schon hin. Es hatte aber Stil, ganz alte Flanellhosen zu tragen. Hat es immer noch. Was ich damals, als ich meine ideale Hose suchte, noch nicht wusste, ist, dass man sein ganzes Leben auf der Suche nach der richtigen Flanellhose ist. Das ist genau wie mit den Jeans. Oder wie mit den Frauen.

Zunächst wurde Flanell für Sommerhosen verwendet, doch bereits schon Ende der dreißiger Jahre hatte sich die Flanellhose als Hose für das ganze Jahr durchgesetzt. Wenn man in Bildbänden aus dieser Zeit blättert, ist fast auf jedem Foto ein Mann mit solcher Beinkleidung zu finden. Damals waren Flanellhosen, kombiniert mit Sportjacken, die Kleidung der jungen, wilden Generation, Flanellhosen waren geradezu ‚hip‘. Das mag heute nur noch schwer vorstellbar sein, wird die Flanellhose inzwischen doch eher dem klassischen bis konservativen Stil älterer Semester zugerechnet. Dennoch wird die Flanellhose überleben, denn sie in Frage zu stellen bedeutet, gleichzeitig auch das ganze Konzept von Hemd, Krawatte, Jacke und Hose in Zweifel zu ziehen. Das steht in einem Stilratgeber im Internet, wir lassen dies alberne dem klassischen bis konservativen Stil älterer Semester zugerechnet mal durchgehen, die eigentliche Information ist aber richtig. Die Flanellhose kommt ursprünglich aus der sportlichen Kleidung.

Die weißen Hosen beim ➱Cricket waren aus Flanell, die weißen langen Hosen (früher dachte noch niemand an Shorts) beim ➱Tennis auch. Yachtsegler trugen weiße Hosen. Beim Cricket weiße Flanellhosen zu tragen, was Ako aus Nigeria in unserer Cricketmannschaft immer tat, ist natürlich sehr unpraktisch. Kriegen Sie mal die grünen Grasflecke da wieder raus! Heute sieht man beim Cricket ja leider häufig Kleidung, die nach bunten ➱Pyjamas aussieht. Außer natürlich bei dem charity event, der Flannels for Heroes heißt, da ist die Welt des Cricket noch heil. Bei all diesen Sportarten sind die weißen Hosen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert (wie auch die weiße Sommerkleidung) ein Snobismus der ➱Oberklasse, wozu hat man denn Domestiken, die das Zeug wieder sauber kriegen?

Diese beiden Herren (Anthony Andrews als Lord Sebastian Flyte und Jeremy Irons als Charles Ryder in Brideshead Revisited) beweisen mit ihrer Kleidung, dass der Satz Every man with a grain of respectabiity, on the river puts on white trousers aus dem Gentleman’s Magazine of Fashion vom Jahre 1884 auch Jahrzehnte später immer noch stimmt. Man kann weiße Flanellhosen auch auf dem Land tragen, wie wir Aldous Huxleys Roman Eine Gesellschaft auf dem Lande (Crome Yellow) entnehmen können: Denis woke up next morning to find the sun shining, the sky serene. He decided to wear white flannel trousers–white flannel trousers and a black jacket, with a silk shirt and his new peach-coloured tie. And what shoes? White was the obvious choice, but there was something rather pleasing about the notion of black patent leather. He lay in bed for several minutes considering the problem. Hier ist die Hose aus der Welt des Sports schon in den Kleiderschrank eines Dandys gewandert. Während sich der junge Dandy Cedric für seine schwarzen Lackschuhe entscheidet, tragen andere Dandies zu den Flanellhosen immer häufiger den braunen ➱Wildlederschuh. Mit einer gewissen Verbitterung registrieren die jungen Dandies, dass der Prince of Wales all ihre kleinen Manieriertheiten klaut und sie popularisiert.

Beim Sonntagsausflug nach Brighton trägt der Engländer selbstverständlich weiße Flanellhosen. Kann man bei T.S. Eliot in ➱The Love Song of J. Alfred Prufrock lesen:

I grow old… I grow old…
I shall wear the bottoms of my trousers rolled.
Shall I part my hair behind? Do I dare to eat a peach?
I shall wear white flannel trousers, and walk upon the beach.
I have heard the mermaids singing, each to each.
I do not think that they will sing to me.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es diese Mode. Wenn Nick Carraway in Fitzgeralds ➱The Great Gatsby der Einladung seines Nachbars Jay Gatsby zu einer Party folgt, trägt er natürlich auch weiße Flanellhosen:

I had been actually invited. A chauffeur in a uniform of robin’s egg blue crossed my lawn early that Saturday morning with a surprisingly formal note from his employer–the honor would be entirely Gatsby’s, it said, if I would attend his „little party“ that night. He had seen me several times and had intended to call on me long before but a peculiar combination of circumstances had prevented it–signed Jay Gatsby in a majestic hand. Dressed up in white flannels I went over to his lawn a little after seven and wandered around rather ill-at-ease among swirls and eddies of people I didn’t know–though here and there was a face I had noticed on the commuting train. Das Photo passt nicht so ganz zu The Great Gatsby, passt aber in die Zeit. Das ist der junge Ernest Hemingway, der hat sogar in weißen Flanellhosen geheiratet. Wir lassen das mal durchgehen, dass da kein ➱Morning Coat getragen wird, sind eben Amerikaner.

In den zwanziger Jahren werden in Oxford die sogenannten Oxford bags Mode, sie sollen ein Zeichen modischer Rebellion sein, weil einige Colleges angeblich das Tragen von Knickerbocker Hosen zu den Vorlesungen verboten hatten. Nach einer anderen Theorie sind die Oxford bags eine Schöpfung von Harold Acton, auf jeden Fall sagt er das in Memoirs of an AestheteInstead of the wasp-waisted suits with pagoda shoulders and tight trousers affected by the dandies, I wore jackets with broad lapels and broad pleated trousers. The latter got broader and broader. Eventually they were imitated elsewhere, and and were generally referred to as ‚Oxford bags‘.

Das da oben ist noch eine gemäßigte Form, es gibt sie noch ➱schlimmer. Aber wir übergehen diese geschmacklichen Verirrungen mal lieber. Die Oxford bagstauchten in den siebziger Jahren in London noch einmal auf, diesmal mit Plateauschuhen. Mehr an modischem Sakrileg geht nicht. Das Leben der Oxford bags in den zwanziger Jahren ist übrigens kurz, die Träger kapitulieren vor den Karikaturen des Punch und dem Spott der Bevölkerung. Ob die Marlene Dietrich Hose der dreißiger Jahre eine Variante der Oxford bag ist, lassen wir einmal dahingestellt.

In den dreißiger Jahren setzt sich die Kombination von Flanellhose und Tweedjackett (zum blauen Blazer gehört die Flanellhose sowieso) immer stärker durch. Zuerst als eine Art Freizeitlook derupper middle class für das Leben außerhalb der City. Das ist die graue Flanellhose für die Sloane Ranger Jahrzehnte später noch immer: So schreibt das Official Sloane Ranger Handbook unter dem Stichwort Grey flannelsSunday-best still when not wearing the tweed suit. Turn-ups optional, cut as any other trouser. Natürlich wurde zuvor darauf hingewiesen: Trousers should never be exaggerated. They shouldn’t be sex and the shouldn’t be fashiony.

Was für die Oberklasse, die es sich jetzt bei vielerlei Gelegenheit erlaubt, auf den lounge suit zu verzichten, eine Freizeitkleidung ist, wird über die Jahrzehnte zu einer der einflussreichsten Form der Herrenmode werden. Etwas, das wir heute als typisch englischempfinden. Natürlich sind die grauen Flanellhosen auch an den Universitäten beliebt, so schreibt Angus Wilson in seinen Erinnerungen an seine Zeit in Oxford, dass er seine Kleidung irgendwann durch canary-coloured woolen waistcoats und foulard spotted scarves aufpeppt. Und fährt for: These added a touch of elegance to my regulation undergraduate grey flannels, sports coat and umbrellas. Das Wort regulation ist ein Wort, das sich in Bezug auf Kleidung eigentlich nur beim Militär findet. Der Look, dem Jahrzehnte später die ➱Young Fogeys nacheiferten, ist zu einer Art Vorschrift geworden. Das ist etwas, wofür der österreichische Architekt und Dandy ➱Adolf Loos die Engländer bewunderte: weil sie ihre Kleidung als eine Uniform betrachten.

Für die Times ist dieser shabby chic, die Kombination von Flanellhosen und Sportjackett, Mitte der dreißiger Jahre ein sartorialer Abstieg: an old pair of flannel trousers and a sports coat seemed to constitute the wardrobe of the undergraduate whereas years ago years ago the young members of the University were regarded as the arbiters of fashion and were invariably well turned out. Damit spielt das Blatt auf diese Clique an, zu denen Brian Howard und Harold Acton gehören. Wir lassen diese ➱Bright Young Things oder die ➱Brideshead Generation oder wie immer man sie nennen will, einmal draußen vor. Sie wurden schon in dem Post über ➱Wildlederschuhe erwähnt. Wenn Sie mehr wissen wollen, lesen Sie ➱Martin Greens Children of the Sun: A Narrative of Decadence in England after 1918.

Angus Wilson (dessen Dandyismus erst einmal bei den canary-coloured woolen waistcoats und den bottle-green, maroon and dark crimson velvet ties endet) hat das Glück, sehr viel Geld zur Verfügung zu haben. Das hat in den dreißiger Jahren nicht jeder. Und dennoch ist Kleidung zum ersten Mal in der englischen Sozialgeschichte nichts Klassenspezifisches mehr. And the differences in their way of life have been diminished by the mass-production of cheap clothes and improvements in housing. So far as outward appearance goes, the clothes of rich and poor, especially in the case of women, differ far less than they did thirty or even fifteen years ago, schreibt ➱George Orwell 1941. Die Firma Marks & Spencer zum Beispiel verkauft unter ihrem 1928 geschaffenen Label St Michaelpreiswerte (und haltbare) Mode. Am Ende der dreißiger Jahre kann Marks & Spencer damit werben, dass ihre Waren zu 94 Prozent Made in England sind. Die jüdischen Besitzerfamilien hatten 1933 den Handel mit Deutschland eingestellt. Natürlich hat M&S in den dreißiger Jahren auch einen Laden in Oxford, in dem die Studenten, die finanziell etwas klamm sind, ihre grey flannels kaufen.

Sehr viel höher als Marks and Sparks ist die Firma Austin Reed anzusiedeln, die seit 1925 in ihren Geschäften qualitativ hochwertige lounge suits von der Stange anbietet (1929 bieten sie sogar Fräcke und ➱Dinner Jackets an). Ginge es nach ihrer erstklassigen Werbung in den dreißiger Jahren (etwas, das in der Mode in England zum ersten Mal wichtig wird), wären sie die Nummer Eins von England. Aber man muss wohl sagen, dass die Firma Simpson ihr in der Mitte der dreißiger Jahre den Rang abläuft. Bei Austin Reed und Simpson kann sich die upper middle class eine Mode leisten, die in der Savile Row ein Mehrfaches kosten würde. Alec Simpson baut in den dreißiger Jahren auch eine moderne neue Fabrik in Stoke Newington. Und einen architektonisch aufregenden Firmensitz am ➱Piccadilly. Auf der Liste der Kleidung, die er bei der Eröffnung in seinem Haus präsentieren will, stehen 4.000 Flanellhosen, der größte Posten an Hosen in seinem Sortiment. Die ➱plus-fours fallen modisch nicht mehr ins Gewicht, nur 250 stehen auf Alec Simpsons Liste. Die Flanellhosen liegen preislich bei 30 shillings(die 10.000 Anzüge, die Simpson anbietet, liegen preislich zwischen sechs und acht Pfund), was bei einer ➱Umrechnung ungefähr dem entspricht, was eine gute Flanellhose heute auch kostet.

Was sich die Schichten, die sich jetzt sartorial nach oben orientieren, natürlich nicht kaufen können, ist die klassenspezifische Aussprache. Die fälschlicherweise in Deutschland Oxford English heißt, für Fachleute heißt der Akzent Received Pronunciation. Und da kann man sich Klamotten kaufen, soviel man will, das Herrschaftssystem des klassenspezifischen Akzents bleibt ungebrochen: Dies ist immer noch das einzige Land in der englischsprechenden Welt oder Europa, in dem der Akzent eher von der sozialen Klasse als vom Landstrich abhängig ist – die Leute beurteilen Macht eher nach Akzent als nach Reichtum oder guter Bildung. Bildung zählt immer noch nichts in diesem Land, wenn man nicht so spricht wie die Bessergestellten; und wenn man so redet, kann man so doof sein, wie man will, und trotzdem aufsteigen. Das hat Julie Burchill vor fast vierzig Jahren in How I Learned To Stop Worrying and Loathe the Proletariat gesagt. Es hat sich nichts geändert.

In den dreißiger Jahren änderte sich die Form der Hose, viele folgten jetzt dem Prince of Wales, der sich seine Hosen so schneidern läßt, wie wir sie heute kennen. Und dafür sogar seinen Schneider Scholte verlässt: I never had a pair of trousers made by Scholte. I disliked his cut of them; they were made, as English trousers usually are, to be worn with braces high above the waist. So preferring as I did to wear a belt rather than braces with trousers, in the American style, I invariably had them made by another tailor. Dazu passend bringt Alec Simpson eine Hose mit einemself supporting waistband auf den Markt, die DAKS heißt (eine Kombination von Dad und Slacks). Das macht die Hosenträger überflüssig.

Es ist bezeichnend, daß die vor ungefähr dreißig Jahren von England übernommene Gewohnheit der Flanellhose mit der andersfarbigen Tweedjacke, die keine endlosen Variationen zuläßt, niemals monoton wirkt und für den Mann heute nahezu die einzige Möglichkeit bietet, sich gut und persönlich anzuziehen. Der Kontrast zwischen Hose und Rock und vor allem die verschiedenen Stoffqualitäten des letzteren sind Gelegenheiten, noch eine freie Wahl zu üben. Schreibt Friedrich Sieburg 1961 in seinem schönen Essay Herrenoberbekleidung (in: Lauter letzte Tage). Er hätte dazu sagen sollen, dass in den modisch duckmäuserischen Adenauer Jahren diese an sich schöne Kombination schnell zu einem Grau in Grau wurde: graues Harris Tweed Jackett mit gleichfarbiger grauer Tuchhose. Da fehlen natürlich canary-coloured woolen waistcoats und die bottle-green, maroon and dark crimson velvet tiesvon Angus Wilson für die wirkliche Eleganz.

Im Gegensatz zum Jahre 1962, als ich auf dieser Gralssuche nach der richtigen Flanellhose war, ist es heute leichter, solch eine Hose zu finden. Eigentlich habe ich keinen Mangel an Flanellhosen, weil ich immer mehrere gehabt habe. Sie gehören einfach zum Leben dazu (➱Cordhosen natürlich auch). Aber in den letzten vier Wochen haben sich meine Bestände um drei Hosen erweitert. Alle gekauft bei dem renommierten upper class Herrenausstatter Ebay, alle neu und ungetragen. Die erste war eine mittelgraue Hose von Regent (für Fans dieser Firma gibt es ➱hier einen langen Post), mit schönem schlanken Bein (6,70 €). Dann kam ein wunderbares Teil von ➱Werner SchererMade in Italy aus einem Super 120 Flanell von Carlo Barbera (10 €). Und als Krönung letzte Woche eine hellgraue Hose von ➱Rudolf Böll, italienische Schneiderarbeit (9.99 €). Ich weiß, dass ➱Michael Rieckhof das jetzt nicht gerne liest, aber ich möchte dann doch in Erinnerung rufen, dass ich bei ➱Kelly’s erst im letzten Jahr eine sehr schöne Flanellhose gekauft habe. Und die von Valentini im Jahr davor ist auch nicht schlecht. Und die besten Flanellhosen, die ich je hatte, kamen auch aus dem Laden. Das ist vierzig Jahre her, die Hosen stammten von der Firma Hobson of Copenhagen, ich trauere ihnen immer noch nach.

Wenn wir hingegen einen Bauern und einen König betrachten, einen Adeligen und einen Bürgerlichen, eine hohe Amtsperson und einen gewöhnlichen Sterblichen, einen Reichen und einen Armen, dann springt uns prompt ein riesiger Unterschied in die Augen, obwohl sie sich doch, so könnte man sagen, durch nichts anderes als ihre Hosen unterscheiden. Montaigne – der sich nicht so viel aus Kleidung macht (wie wir dem Kapitel Über die Gewohnheit in Kleidern zu gehen entnehmen können) –  hat gut reden, er trägt seidene Hosen. Er trägt sie übrigens im Sommer wie im Winter. Ich meine Flanellhosen auch.