Also, das ist nicht der Mann, über den ich heute schreiben will. Dies ist der  Kölner Beerdigungsunternehmer Christoph Kuckelkorn, der neben seiner beruflichen Tätigkeit gleichzeitig eine Frohnatur ist. Und Träger der Willy Millowitsch Medaille. Den Willy hat er auch beerdigt. Der hätte sich auch wohl kein anderes Unternehmen gewünscht, denn die Kuckelkorns sind in Köln seit 1864 im Geschäft. Christoph Kuckelkorn ist der Leiter des Rosenmontagszugs, wozu man nur sagen kann Alaaf, der Dudegräver kütt. In diesem Jahr hat Kuckelkorn noch andere Schlagzeilen gemacht, weil seine Frau Cassia und er sich getrennt haben. Die Cassia war auch im Fröhlichkeitsgeschäft (und auch in der Bestattungsfirma), weil sie Trainerin der Kölsche Harlequins war. Wie der nächste Karneval ohne die Kuckelkorns aussieht, das weiß ich nicht.

Der Kuckelkorn, über den heute schreibe, hat seinen Firmensitz auch da unten in der Ecke, seine Firma sitzt in Aachen. Die meisten Kuckelkorns in Deutschland leben in Aachen, die zweitmeisten in Köln. Dieter Kuckelkorn in Aachen hat aber nichts mit der Beerdigungsbranche zu tun, er ist für seine Schuhe berühmt. Ich hätte ihn letztens beinahe mal getroffen, man sagte mir bei ➱Kelly’s im Laden, dass ich ihn um eine Viertelstunde verpasst hätte. Schade, ich hätte ihm gerne gesagt, dass ich schon lange Schuhe besitze, die seinen Namen tragen. Ich war wahrscheinlich sogar der erste im Ort, der ein Paar Kuckelkorn Schuhe trug.

Die hatte ich in einem Laden gekauft, der kaum dass er eröffnet hatte, schon wieder verschwunden war. Ich weiß nicht, ob diese Läden Steuerabschreibemodelle sind oder zur Geldwäsche da sind. War ein kleiner Laden, der sündhaft teure Pariser Damenschuhe führte. Und einige wenige Herrenschuhe. Eben Kuckelkorn. Als der Laden schloss und alles von Stéphane Kelian bis Dieter Kuckelkorn verramscht wurde, habe ich zwei Paar Kuckelkorn Schuhe gekauft. Ich habe sie nach mehr als zwanzig Jahren immer noch. Das Oxford Modell in schwarz aus diesem Hochglanz bookbinder Leder ist lange im Lieferprogramm gewesen, es gibt es heute eigentlich immer noch, hat nur einen schlankeren Leisten bekommen.

Wenn ich mir das heutige Angebot so anschaue (und ich verfolge das bei Kelly’s von Saison zu Saison), dann muss ich sagen, dass es jetzt bessere Leisten gibt. Also diese Leisten, die sich in der Mitte verjüngen, dass sie wie die Wespentaille eines Damenkleids aussehen. Annähernd so wie hier. Obgleich das wohl ein Schuh von Laszlo Vass ist. Ich habe einen Schuh von Oliver Sweeney, der perfekt einen Leisten aus den dreißiger Jahren nachahmt. Hätte ich nicht gekauft, wenn das Modell nicht ➱Dirk Bogarde geheißen hätte. Das JR auf der Sohle da oben steht natürlich für das grubengegerbte Sohlenleder von Joh. Rendenbach, was anderes sollte man für Schuhsohlen eh nicht verwenden. Bei Kuckelkorn steht nicht JR auf der Sohle, sondern ein modernistisches dk. Was sonst noch? Ja, noch das kleine WortSchuhhandwerk. Auf das Wort Handwerk legt Kuckelkorn viel Wert.

Es ist ihm wichtig: Klassisches Schuhhandwerk – das bedeutet für uns viel mehr, als nur die Schuhfertigung mit traditionellen Mitteln. Es kennzeichnet unsere Einstellung zum Schuh, unser Selbstverständnis als Schuhmacher. Eben all das, was in unseren rahmengenähten Schuhen steckt: Know-how, Können, Sorgfalt. Und sehr viel Zeit. So kommt es, dass Dieter Kuckelkorn Schuhe nicht nur für eine Modesaison gemacht sind – sondern für viele Jahre.

Er ist kein Massenlieferant, dies ist nicht Geox. Er hat eine Nebenlinie, die RJ heißt, wo man Slipper und Damenschuhe findet. Die Zweitmarke Eslava de Valle (die auf Mallorca hergestellt worden sein soll) scheint er aufgegeben zu haben, das weiß ich aber nicht genau. Es wäre ja schön, wenn das alles in Deutschland gefertigt würde. Julius Harai (wo sich Max Schmeling, Heinz Erhardt und Walter Scheel ihre Schuhe machen ließen) konnte noch in Neumünster seine Schuhe machen, Benjamin Kleman macht immer noch Schuhe inHamburg (früher war er, genau wie Vicky Leandros, im Gut Basthorst zu finden). Aber Klemann, Martin Marai oder Axel Himer (und viele andere kleine ➱Schuhmacher – das hier ist ein interessanter Link) haben natürlich nie die Zahlen produziert, die Kuckelkorn herstellen kann. Obgleich die sich natürlich mit den Zahlen von Signore Mario Moretti Polegano vergleichen lassen. Falls Sie den Namen nicht kennen, das ist der Chef von Geox. Wenn Sie die Marke nicht kennen, ist alles gut. Er wurde letztens in der Zeit auf einer ganzen ➱Seitegefeiert. Die Seite hätte man mal lieber Dieter Kuckelkorn widmen sollen, statt diesem Sondermüllproduzenten.

Das Geschäft in der Elisabethstraße in Aachen ist das Schaufenster der Firma. Es war vorher eine Buchhandlung, Kuckelkorn hat den Namen von Anton Greutzer nicht entfernt (das Haus steht auch unter Denkmalschutz). Der gebürtige Aachener hat Respekt vor Traditionen. Und wenn er seine Schuhe in Spanien fertigen lässt, dann nicht, weil das für ihn ein Billiglohnland ist. Sondern weil er da aufgewachsen ist. Denn Ende der fünfziger Jahre sind seine Eltern mit dem kleinen Dieter nach Spanien gezogen, um sich in der Gastronomie selbstständig zu machen, das Land lockte jetzt (trotz Franco) Touristen an, die verpflegt werden wollten. Der Tourismus fragt nicht nach Diktatoren. So ganz riss der Kontakt mit Deutschland nicht ab, Dieter Kuckelkorn hat in Bilbao die Deutsche Schule besucht.

Im Jahre 1972 begann Dieter Kuckelkorn im Schuhgeschäft tätig zu sein, zuerst als Vertreter der spanischen Firma Zerep, die wohl damals der Hersteller der hochwertigsten spanischen Schuhe war. Und die auf den deutschen Markt kommen wollte. Aber die Spanier (und ebenso die Portugiesen) haben es schwer, auf dem deutschen Markt zu landen. Deutsche kaufen Schuhe aus Northampton, wenn sie Geld und Stil haben, vielleicht noch Schuhe aus Italien, wenn es etwas Schrilles sein soll, der Rest kommt aus China. 298 Millionen Paar waren es im Jahre 2011. Vielleicht lesen Sie zusätzlich zu dieser erschreckend großen Zahl noch das, was in dem Post ➱Dinkelacker steht.

Es ist ja nicht so, dass die das auf der Iberischen Halbinsel nicht könnten. Nehmen wir doch einmal die Firma Zarco in Portugal. Die gibt es seit siebzig Jahren. Und obgleich sie wohl auch lange Zeit für bekannte Firmen in Lohnfertigung Schuhe gemacht haben, kennt man sie nicht. Sie haben zwei Handelsmarken, die Mack James (das hier ist einer) und Carlos Santos heißen, und sie können hervorragende Schuhe für’s Geld machen (obwohl die Qualität wohl schwankt). Carlos Santos ist von den Formen her eher für den Mittelmeerraum entworfen, Mack James möchte mit dem Namen ein wenig englisch klingen.

Auch Dieter Kuckelkorn verfolgte diese Konzept, als er 1977 seine ersten Schuhe (mit deutscher Passform) in Spanien produzieren lässt, die laufen damals unter dem NamenRobert Johnson (nach einem ➱Artikel der Textilmitteilungen soll der Name Herbert Johnston gewesen sein, vielleicht schauen die mal in das Trademark Verzeichnis). Sollte wohl ein wenig nach der Schuhmarke Johnston&Murphy und dem Londoner Hutmacher Herbie Johnson klingen. So ein Krönchen unter dem Namen ist offensichtlich gut für das Geschäft. Ein englischer Name auch. Nicht unbedingt immer. Ich las vor Jahren in einem englischen HiFi Magazin den wunderbaren Satz: And the real dreck always has English names.

Mack James ist natürlich (ebenso wenig wie Kuckelkorns ehemalige Marke Herbert Johnston) kein real dreck. Ich habe seit Jahren einen Mack James loafer. Den kann man in Aussehen und Qualität nicht von einem Crockett&Jones Schuh unterscheiden, kostete aber nur die Hälfte. Doch die Firma hat es trotz des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses schwer, auf den deutschen Markt zu kommen. Dabei sollte man die Portugieser und Spanier nicht unterschätzen. Im Bereich des Damenschuhs weiß man das längst. Manolo Blahnik, der berühmteste Schöpfer von Damenschuhen seit den Tagen von Salvatore Ferragamo, kommt aus Spanien. Und Beverly Feldman, die sicherlich ebenso berühmt ist, kaufte sich mit einunddreißig Jahren eine Schuhfabrik in Spanien und lebt auch dort.

Dieter Kuckelkorn lebt nicht mehr in Spanien, aber seine Produktionsstätte ist (ebenso wie bei Beverly Feldman) in Spanien. Er ist sozusagen bei seinen spanischen Wurzel geblieben, das ist allerdings für Spanien erstaunlich, denn auch von den großen spanischen Anbietern lassen heute 99% alles in Tunesien machen. Sagt Kuckelkorn, er wird es wissen. Dieter Kuckelkorn hat von Anfang an als Kunden nicht die Schuhfachgeschäfte, sondern die Herrenausstatter im Visier gehabt. Sein erster Großabnehmer ist Dolf Selbach gewesen, der Mann, der die italienische Mode nach Deutschland brachte. Sagte man immer so. Er war nicht der einzige, denn gleichzeitig mit seinen Boutiquen entstanden von Kiel bis München eine Vielzahl von Läden, deren junge Besitzer sich an demMade in Italy orientierten. Und die jetzt Schuhe mit ins Angebot nahmen.

Das ist ja eine seltsame Entwicklung. Früher führten Schuhfachgeschäfte neben ihrem Wald-und-Wiesen Angebot immer auch Schuhe, die man tragen konnte. Aber dann gerieten die Schuhfachgeschäfte immer mehr unter Beschuss von Branchenriesen wie Deichmann (und wie sie alle heißen), und kapitulierten einer nach dem anderen. Als Boos hier dichtmachte und nach Hamburg zog, verschwand das letzte gute Schuhfachgeschäft. So bleibt einem nur der Herrenausstatter Kelly’s in der Dänischen Straße, die AmbiorixCrockett&Jones, ➱DinkelackerGreveHandmacherMagnanni (immerhin ein Spanier) und natürlich Kuckelkorn führen. Und wenn ich hier sage, meine ich natürlich die Stadt mit der unglückseligen Oberbürgermeisterin und dem ➱Steuersünder, über die hier jetzt jeder lacht.

Dieter Kuckelkorn ist so alt wie der Besitzer von Geox, er hat eine andere Idee vom Schuh als Mario Moretti Polegano. Er hat auch eine andere Idee vom Schuh als ➱Heinrich Deichmann. Für seine eigene Idee von Schuh, die er konsequent verfolgt hat, braucht er keine Bibelsprüche wie der alte Heinz-Horst Deichmann (die natürlich schlecht zu der Ausbeutung seiner Mitarbeiter passen), Kuckelkorns Credo ist ganz einfach: Ein guter Schuh ist kein kurzlebiges Konsumgut, das heute getragen und morgen weggeworfen wird. Er geht nicht mit der Mode und überholt sich nicht. Ein guter Schuh begleitet Sie über Jahrzehnte.

So etwas zu sagen, ist natürlich kontraproduktiv, wenn man Masse und Kasse machen will. Und so machen bei Kuckelkorn in Almansa zweiundzwanzig Schuhmacher am Tag zwanzig Paar Schuhe. Die Deichmanns (hier Senior und Junior) setzen im Jahr 122 Millionen Paar Schuhe ab, von denen die Firma Shoes Premier in Phnom Penh ihnen jährlich 2,5 Millionen Paar Schuhe liefern. Deichmann hat einen Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Deichmann senior hatte immer ein Bibelzitat parat, das hat Deichmann junior auch, aber er zitiert (sagt die Presse) auch immer Max Weber. Da kann man nur sagen Sutor, ne ultra crepidam! Ich glaube nicht, dass er Max Webers Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus wirklich verstanden hat.

Es ist ja verlockend, mal eben bei Google Philosophie undSchuh einzugeben. Und da haben sie alle ihre Philosophie: Mercedes Schuhe, Bär Schuhe, Aktiv Schuhe, Roland Schuhe, Quick Schuhe. In solchen Augenblicken merkt man, dass hier seit Hans Albers (der eine seine ersten Rollen in dem Stück Den König drückt der Schuh hatte) Ich hab’ eine kleine Philosophie: Ich find’ alles herrlich und streite mich nie sang, eine semantische Inflation stattgefunden hat. Aus der Liebe zur Weisheit sind Werbesprüche geworden. Oder ist Kuckelkorns Credo auch nur Werbelyrik?

Auf der Seite von ➱Slow Wear ( Das unabhängige Forum für Individualität, Eigensinn, Qualität und Stil) schreibt der Herrenreiter Joerg Staubach: auch wenn es keinen interessiert ich schreibe es trotzdem. Ichhabe voller Freude ein paar Chelsea Boots von Kuckelkorn für teures Geld gekauft und getragen. Das robust ausehende Schuhwerk ging dann an der Sohle leicht kaputt und wir mussten in unserer eigenen Schuhwerkstatt – Cavallo Reitstiefel – feststellen, dass der tolle Herr Kuckelkorn die Sohlen nur doppelt und nicht wie man denken mag goodyear welted verarbeitet. Das bedeutet die ganze Sogle löst sich vom eigendlichen Oberleder. Ach nicht so schlimm denkt man sich, die Firma bringt das schon in Ordnung. Aber weit gefehlt da kommt ein liederliches Päckchen an mit dem Kommentar. der Schweiss löst die Nähte auf und man hat den Schuh TOD getragen. Herr Kuckelkorn soll mir mal erklären wie man es schafft Schuhe durchzuschwitzen… Das war dann mal wieder der Beweis das Marketing und clevere Kundenverarsche innerhalb der Wertschöpfungskette auch dem eigentlich insolventen Schuhproduzenten helfen, das Benzin für den chicen Jaguar zu bezahlen. Nur ob das so gut war wage ich zu bezweifen. Nun schau mal bei den social medias nach wo Du überall berühmt wirst. Danke für die Aufmerksamkeit.

Die in den Raum gestellte Behauptung, dass Kuckelkorns Kunden dem eigentlich insolventen Schuhproduzenten helfen, das Benzin für den chicen Jaguar zu bezahlen lasse ich mal so stehen. Ich habe auch die Rechtschreibung so gelassen, wie sie ist, es sagt viel über den Schreiber. Die Werbung für die Firma Cavallo habe ich auch drin gelassen. Irgendwie scheint hier der Geschäftsführer derFirma Peck Morgan Weinberg Luxury Development eine alte Rechnung begleichen zu wollen. Muss man das im Internet machen? Was ist aus dem guten alten Duell morgens um fünf geworden? Natürlich nur mit Kuckelkorn Lackschuhen an den Füßen.

Zu dem Ganzen kann ich sonst nichts sagen, mir fällt dabei nur die Geschichte ein, die mir ein Jungmillionär erzählte, der sich bei John Lobb in London ein Paar Schuhe hatte anfertigen lassen. Und sich dann hier beim Besohlen von seinem Schuster zeigen lassen muste, wie schrottig die Schuhe unterhalb der Sohle verarbeitet waren. Shit happens. Die Frage ist natürlich, ob die Chelsea Boots wirklich ➱goodyear welted waren oder ob die Sohlen nur nach dem blake rapidVerfahren angenäht wurden. Ich kann für mich nur sagen, dass ich vier Paar Kuckelkorn Schuhe besitze und noch nie einen Anlass hatte, über die Qualität zu klagen. Mein neuester Schuh ist ein knappes Jahr alt. Heißt Chet Baker. Die Schuhe haben offensichtlich neuerdings jetzt alle Namen von Jazzgrößen: Cannonball Adderly, Miles Davis, Louis Armstrong etc. Kauft man die jetzt nach seinem Lieblingsjazzer? Ich finde das eigentlich ganz witzig, vielleicht sollte Dieter Kuckelkorn bei jedem Schuh noch eine CD beilegen.

Wenn ich was kritisieren sollte, dann ist es die Tatsache, dass Kuckelkorn zur Zeit mit Schuhen in allen Farben des Regenbogens immer origineller werden möchte. Und nein: so dürfen ➱Chelsea Boots einfach nicht aussehen. Kuckelkorn Schuhe waren schon immer etwas anderes, hatten immer den gewissen Pfiff. Doch im Augenblick scheint mir das Ganze etwas zu sein, was der Engländer mit dem schönen Satz too much of a good thing benennt.

Ich musste hier heute etwas über Schuhe schreiben, jene Leser, die hier gerne etwas über Mode lesen, haben schon wieder vernehmlich gemurrt. Ich werde übrigens nicht von Herrn Kuckelkorn dafür bezahlt, dass ich dies hier schreibe. Mein Lieblingsschuh ist zur Zeit auch kein Kuckelkorn, sondern ein Bally Scribe ModellCharles. Wenn mir mal gar nichts mehr einfällt, schreibe ich vielleicht über die Firma Bally, das wird dann aber nicht so nett wie dies heute. Was ich an Kuckelkorn immer bewundert habe, ist die Tatsache, dass er als Unternehmer sein Konzept verwirklicht hat. Ohne in Pnom Penh Schuhe zu produzieren. Wenn Sie Dieter Kuckelkorn mit Bild und Ton sehen wollen, dann klicken Sie ➱hier.

Wenn Sie nicht nur etwas für den Fuß, sondern auch etwas für den Kopf brauchen, dann kann ich nur den Kauf des wunderbaren Katalogs Zum Beispiel Schuhe: Eine Kulturgeschichte der Fußbekleidung (Anabas Verlag 1991) empfehlen. Der ist zwar längst vergriffen, ist aber antiquarisch noch leicht (und preiswert) zu finden. Dort erfahren wir – neben einem Kapitel über den sexuellen Fetischcharakter der Fußbekleidung – auch alles über die religiösen Grundlagen des Schuhes. Der schon durch die Jahrtausende ein Symbol für das Sinnliche und die Sünde ist. Wenn Gott zu Moses spricht trit nicht herzu, zeuch deine schuch aus von deinen füssen, denn der ort, da du auffstehest ist ein heilig land ergänzt Luther das zu Nu mus hie ein fleischlicher Mensch seine Schuhe ausziehen. Und Bartholomäus Ringwaldt verknüpft das Bild von den alten Adamsschuhen mit der Bitte zu Gott: Hilf‘, daß wir folgen deiner Lehr‘, der alten Schuh‘ uns schämen.

Ich weiß nicht, ob die Deichmanns, deren zur Schau getragenes ➱Christentum mir immer ein wenig bigott vorgekommen ist sich dieser Dimensionen bewusst sind – es geht mir dabei nicht aus dem Sinn, was Theodor Fontane einmal über die Engländer gesagt hat: Sie sagen Gott und meinen Kattun. Salvador Dali zwischen Atheismus und Katholizismus schwankend hat 1941 dieses Bild voll schöner Symbolik gemalt. Es heißt Le Péché originel, vielleicht hätte er es lieber peccatum originalenennen sollen, für all diese Dinge ist das Lateinische ja da. Die Bildlichkeit der Schuhe fängt mit dem Sündenfall an. Die Wirklichkeit der Schuhe endet mit der Ausbeutung der chinesischen Arbeiterinnen. Und die haben wahrscheinlich niemals gehört, dass die katholische Kirche zwei Heilige hat, die Schuhmacher waren.

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