In einem Artikel über Herrenmode begegnete mit letztens der Handschuhknopf. Der Artikel handelte allerdings gar nicht von Handschuhen (an denen man ja einen Knopf finden kann), sondern von Oberhemden. Der Artikel war eine Übersetzung aus dem Englischen, da wußte ich schon, was passiert war. Das weiß man bei Übersetzungen ja nie, vor allem, seit es diese ganzen Übersetzungsprogramme im Internet gibt. Aber auch bevor es Computerübersetzungen gab, haben Übersetzer schon schlimme Dinge angerichtet, ➱Fritz Güttingers Buch Zielsprache bietet da eine schöne Sammlung. Mein Freund Tony (der auf der gleichen Public School wie ➱Raymond Chandler war) hat mir mal erzählt, dass er einmal beinahe wegen lauten Lachens aus dem Zuschauerraum des Hamburger Schauspielhauses gewiesen worden wäre. Weil in dem Theaterstück von Harold Pinter auf der Bühne gesagt wurde: Wer hat an das Stadttor von Melbourne gepinkelt? Diese Übersetzung von Who watered the wicket in Melbourne? hat schon ihren Weg in die kritische Literatur gefunden: The first German translator, reputedly, came to the line ‚Who watered the wicket in Melbourne?‘ and looked up the words in his dictionary – ‚wicket‘ means ‚gate‘, ‚watered‘ means ‚urinated‘. So he came up with a translation which translates back into English as ‚Who urinated over the gates of Melbourne?

Ich ahnte schon, woher der Handschuhknopf gekommen war. Er heißt im Englischen gauntlet button und bezeichnet diesen kleinen Knopf auf dem Ärmelschlitz (wenn man bei einer Übersetzungsmaschine gauntlet button eingibt, bekommt man allerdings Vorschläge, die Panzerhandschuhknopf und Fehdehandschuh-Schaltfläche lauten). Nach Meinung mancher amerikanischer Modepäpste sollte das Knopfloch nicht in Längsrichtung wie hier, sondern quer verlaufen. Das sieht man selten, ich habe nur ein italienisches Oberhemd von der Firma Nervesa, das so etwas hat. Viel häufiger findet man Hemden, die an dem Ärmelschlitz gar keinen Knopf haben. Da braucht man sich morgens nicht damit zu ärgern, kleine Knöpfe in Knopflöcher zu fummeln. Das Englische hat zwar diesen schönen Namen gauntlet button, aber viele englische Hemden (und auch die von ➱R. Böll in Rottach-Egern) haben diesen button häufig gar nicht. Ich habe eine Handvoll Hemden von Henry Poole, keines hat diesen Knopf am Ärmel.

Wenn ich eben das quer verlaufende Knopfloch erwähnte, hier auf dem Bild taucht es wieder auf: The evidence of meticulous crafting is the presence of a horizontal buttonhole. Die Amerikaner ziehen übrigens die Bezeichnung sleeve placket dem Englischen gauntlet vor. So schreibt ➱Alan Flusser in Clothes and the Man„Gauntlet“ is the English term for the sleeve placket, that open area just before the cuff. A well-made shirt has a working button on the placket so that this gap can be closed when the shirt is being worn. The gauntlet button originated in order to enable men to roll back their cuffs while washing as well as to hold the cuff in place. Obviously, a gauntlet button is not one of life’s dire necessities, though in certain circles a show of bare forearm is considered in as poor taste as a show of skin between hose and trouser cuff. On the other hand, a buttoning gauntlet does permit a better fit around the forearm and is one more indication of a quality shirt.

Oder auch nicht. Der Knopf fehlt zum Beispiel an diesem Turnbull & Asser ➱Hemd (wir denken uns die prollige Hermès Uhr mal eben weg); es ist das Hemd mit der Manschette, die auch James Bond (lesen Sie dazu auch den Post ➱Agentenmode) einmal getragen hat. Sehen Sie einen gauntlet button? Es geht offensichtlich auch ohne. Aber wenn er schon mal da ist, dann sollte man ihn auch zuknöpfen.

Ob Luciano Barbera das tut, weiß ich nicht. Es hat mich immer irritiert, dass der italienische Signore – sicherlich einer der elegantesten Männer der Welt – die Knöpfe seines button-down Hemdes nicht zuknöpft. Hier auch wieder. Wenn er den ersten Knopf seines Jackettärmels offen läßt, kann man nur sagen: Italiener. Die können nicht anders. Wir anderen halten uns bei diesen Knöpfen (für die die Amerikaner das schöne Wort surgeon’s cuff haben) an das, was in dem Post ➱Ärmelknöpfe steht. Und wir denken immer an diese hübsche kleine Geschichte, die Richard Sennett in The Fall of Public Man zum Besten gibt:

A Russian visitor to the Jockey Club asked his hosts to define a gentleman: was this an inherited title, a caste, or a question of cash? The answer he received was that a gentleman disclosed his quality only to those who had the knowledge to perceive it without being told. The Russian, a rather abrupt soul, demanded to know what form these disclosures would take, and one member replied to him, as though breaking a confidence, that one could always recognize gentlemanly dress because the buttons on the on the sleeves of a gentleman’s coat actually buttoned and unbuttoned, while one recognized gentlemanly behavior in his keeping the buttons scrupulously fastened, so that his sleeves never called attention to this fact. Da der Pariser Jockey Club (in dem der Prince of Wales Stammgast war) hier erwähnt wird, muss ich natürlich das schöne Bild von James Tissot hier abbilden. Das Vorbild für ➱Prousts Charles Swann ist übrigens auch auf dem Bild.

Und da ich schon beim Thema Hemdenknöpfe bin: man kann den obersten Hemdenknopf auch schließen. Und einen Schlips umbinden. Sonst sieht man so aus wie dieses abschreckende Beispiel der männlichen Spezies. Lichtjahre entfernt von der Eleganz Luciano Barberas, da ist wohl irgendetwas mit der sartorialen Evolution fehlgelaufen.

Noch mehr zu Hemden finden Sie in diesem Blog unter: ➱Haikragen, ➱Jermyn Street, ➱Oberhemden und ➱gatsby-weiß.

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