Vergessen Sie James Bond. So sieht ein englischer Geheimagent aus, nicht anders. Wenn Sie auch so aussehen wollen, kein Problem. Alles aus dem Film Kingsman: The Secret Service, was ein gentleman spy braucht, kann man kaufen. Der Film läuft heute in den deutschen Kinos an. Das Ganze ist nicht unbedingt billig, aber es war ja schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Selbst wenn James Bond jetzt Heineken Bier trinken muss. Falls Sie viel Geld ausgeben wollen, um wie Colin Firth auszusehen, klicken Sie bitte ➱hier.

Der Film basiert auf einem Comic. Die Welt der meisten Spionageromane ist von der Welt der Comics nicht so weit entfernt. Vielleicht ist auch die wirkliche Welt der Spionage von den Comics nicht so weit entfernt. It sounds like a thriller, doesn’t it, but the thrillers are like life… The world has been remade by William Le Queux, läßt Graham Greene eine Romanfigur in seinem Roman The Ministry of Fear sagen. Wenn Sie endlich einmal einen geradezu enzyklopädischen Post zum Thema Spionageroman lesen wollen, sollten Sie ➱Secret Agents anklicken.

Matthew Vaughn, der Regisseur des Films Kingsman, hatte die Idee mit dem Schneideratelier und dem Secret Service, als er sich in der Savile Row einen Anzug machen ließ: I was having a suit made at Huntsman, where all the rich and powerful have had their suits made since Queen Victoria, and I got bored and started imagining what would happen if I pressed a secret button and the whole room became an elevated lift going down into a secret lair. And this idea of the tailor being the shopfront of a spy organisation was moulded.

Wenn Sie mich jetzt fragen, was dieses Bild hier soll, habe ich darauf natürlich eine Antwort. Der Typ neben der langen Blonden, der aussieht als hätte Mammi ihn gerade auf dem Spielplatz abgeholt, ist niemand anders als der Regisseur Matthew Vaughn. Und die leicht unterernährte Blondine ist natürlich unsere Claudia Schiffer. Wenn Matthew Vaughn nicht seine Spielplatzklamotten trägt, lässt er sich offensichtlich seine Anzüge bei Huntsman machen. Und hat da die Idee, dass man alle im Film getragenen Klamotten auch vermarkten könne. Ich nehme mal an, er brauchte seinen Anzug bei Huntsman nicht zu bezahlen, weil die Firma das Ganze jetzt auch gut vermarktet.

Ja, die Welt der ➱Savile Row bricht peu à peu zusammen. Der amerikanische Dichter Frederick Seidel hatte schon recht, wenn er in seinem ➱Gedicht Kill Poem dichtet: Huntsman indeed is gone from Savile Row. Natürlich ist Huntsman noch in der Savile Row, aber Seidel beklagt den Weggang des head cutter Brian Hall. Dessen Nachfolger war Richard Anderson, der aber irgendwann die Schere hinwarf und seinen eigenen Laden aufmachte. Er nahm den größten Teil der Angestellten und viele Kunden mit. Und beschrieb alles süffisant in seinem Buch Bespoke: Savile Row Ripped and Smoothed. Wo er auch auf Seite 187 die erste Strophe von Frederick Seidels Gedicht abdruckte:

Huntsman indeed is gone from Savile Row,
And Mr. Hall, the head cutter.
The red hunt coat cut for me was utter
Red melton cloth thick as a carpet, cut just so.
One time I wore it riding my red Ducati racer—what a show!—
Matched exotics like a pair of lovely red egrets.
London once seemed the epitome of no regrets
And the old excellence one used to know
Of the chased-down fox bleeding its stink across the snow.

Wenn Sie also einen solchen Zweireiher wie Colin Firth (der im Film sagt: A suit is a modern gentleman’s armor) haben wollen, brauchen Sie nur ➱Mr Porter zu kontaktieren, und für 2.495 Dollar gehört der Ihnen. Garantiert Savile Row. Oder Hongkong und Shanghai. Vielleicht Huntsman, das weiß niemand so genau. Die Anzüge, die Colin Firth in dem Film trägt, stammen alle von Martin Nicholls aus der Savile Row. Bei ihm sind die Anzüge allerdings etwas teurer als bei Mr Porter.

Martin Nicholls hat bei Huntsman angefangen (wo er bei Frederick Seidels Lieblingsschneider Brian Hall lernte), war dann bei Gieves und Norton and Sons und entwirft jetzt die MTM Anzüge von Dunhill. Also so etwas, was Daniel Craig hier trägt. Es ist immer gut für das Geschäft, wenn Filmstars Werbung für einen Schneider machen. Film und Mode ist sowieso ein unerschöpfliches Thema (Sie könnten jetzt natürlich die Posts ➱Cinecittà und die Mode und ➱Film und Mode lesen). Film und Werbung ist ein noch größeres Thema als Film und Mode. Und das hat nicht mit Skyfall angefangen, einem Film, den der Berliner Tagesspiegel als Warenhaus bezeichnete.

Als Clark Gable in It Happened One Night sein Hemd auszog und kein Unterhemd darunter trug, sanken die Verkäufe von U-Hemden in den USA drastisch. In den dreißiger Jahren offerierten Friseure und Friseurketten ihren Kundinnen den gleichen Haarschnitt, den ihre Hollywood Idole trugen. Davon abgesehen bewarben die Stars (mit Genehmigung ihres Studios) alle möglichen Produkte, wie zum Beispiel Carole Lombard, die für Lux Seife Werbung machte. Und die ➱Bemberg Strümpfe verkauften sich natürlich viel besser, wenn Marlene Dietrich für sie warb.

Aber das product placement im großen Stil begann mit der Verfilmung von The Great Gatsby 1974 (lesen Sie ➱hier mehr dazu). Die Firma Glemby International (die fünfhundert Friseursalons besaß) hatte ja schon Haarnetze für Damen hergestellt, als Fitzgerald seinen Roman schrieb, jetzt offerierte sie den Haarschnitt von Daisy und Gatsby. Es gab Oberhemden von Turnbull & Asser, Whisky von Ballantine und gatsby-weiße Teflon Bratpfannen. Fitzgeralds Tochter Scottie Lanahan Smith klagte damals: You have turned ‚The Great Gatsby‘ into pots and pans. Petra Kipphoff sprach in der Zeit von dem maßlosen Rummel, der den Film zum Werbespot seiner selbst pervertierte. Was würde sie heute zu Kingsman sagen?

Wenn uns Kingsman: The Secret Service englische Schneider im Geheimdienst offeriert, dann muss man sagen: die sind nun auch nichts Neues. Das hier ist Harry Pendel (gespielt von Geoffrey Rush) in dem Film The Tailor of Panama. ➱John Le Carré hatte seinen Schneider Douglas Hayward in diese Figur hineingeschrieben. Wenn heute Martin Nicholls damit wirbt, wie viele Hollywood Stars er schon eingekleidet hat, dann ist das gar nichts gegen Douglas Hayward. Früher war man nur etwas stiller. Doug Hayward kommt in diesem ➱Blog natürlich auch schon vor, so etwas lassen wir nicht aus.

Ich habe seit Jahren das unbestimmte Gefühl, dass viele Filme nur gedreht werden, um Platz für product placement zu schaffen. Kingsman: The Secret Service ist ein ehrlicher Film, er will nichts anderes als ein Vehikel für Mr Porter sein. Der Kommerz hat den Film als Werbeträger entdeckt, es rechnet sich sogar. Ein paar hunderttausend Dollar, die in einen Film gesteckt werden, sind nichts gegen die Kosten eines 30 Sekunden Spots zur Prime Time. Manche Firmen haben das noch nicht so richtig begriffen. Was hätte Beate Uhse für ein Reklameinstrument gehabt, wenn sie ein bisschen Geld in die Dreharbeiten des ➱Films Fifty Shades of Grey gesteckt hätten!

Wenn Sie nun nicht wie Colin Firth aussehen wollen, sondern lieber wie dieser Herr, dann ist das auch kein Problem. Denn seit Jahren sucht Til Schweiger mit Leidenschaft nach Lieblingsstücken, die in seinen Filmen und Häusern einen Platz finden. Und so kann er uns sagen: Ich trage seit Jahren am liebsten Kaschmirpullover. Meistens sind die Pullis aber mit engem Ausschnitt und engen Bündchen. Ich mag es lieber lässig und weiter. Und deshalb habe ich mir jetzt meine eigenen Lieblingspullis designt. Klicken Sie doch einfach mal seinen ➱Online Shop an. Oder lassen Sie es lieber. Ein Opel Manta mit Fuchsschwanz an der Antenne ist sowieso nicht im Angebot.

Lesen Sie auch: ➱Agentenmode, ➱Goldfinger, ➱Maßkonfektion und ➱Schneiderkrieg.

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