Ich hätte ja heute über Hermann Schmitz schreiben können, denn der Philosoph, über den Wikipedia schreibt: 1971 wurde er auf dem Wege einer außergewöhnlichen Hausberufung ordentlicher Professor am Kieler Philosophischen Seminar, hat heute Geburtstag. Aber ich verderbe mir nicht die gute Laune, und Schmitz findet sich auch schon in dem Post ➱Philosophenwitze. Der unter meinen Posts geradezu ein Bestseller ist. Hermann Schmitz wird den wohl nie lesen. Ist auch gut so. Nein, ich schreibe heute über etwas ganz anderes. Nämlich über Mode.

Obgleich es da ja auch Berührungspunkte gibt, nicht nur, weil jeder Designer heutzutage eine Philosophie hat. Aber schon im 18. Jahrhundert schrieb der Philosoph Christian Garve über Mode. Georg Simmel später auch (➱hier im Volltext), ➱Roland Barthes wollen wir nicht vergessen.

Und als der deutsche Philosoph Odo Marquard die Misere der Philosophie beschreiben sollte, wählte er ein Bild aus der Mode: Philosophen […] gleichen Sockenfabrikanten, die Socken nur für Sockenfabrikanten herstellen. Ich habe das schon in dem Post ➱Heidegger zitiert. Aber ansonsten bieten die Philosophen für die Mode nicht sehr viel, modisch gesehen sehen sie auch kaum wie die Leitfiguren der Modeindustrie aus. Eher so wie der Herr im obigen Absatz. Außer Bertrand Russell, der Lord war immer ein perfekter Gentleman.

Es musste dringend über Mode geschrieben werden, denn ich hörte die modeinteressierten Leser schon murren: hier gab es lange nichts zur Herrenmode. Nun gut, aber wir hatten im März die schönen Posts ➱Kingsman und ➱Herrenausstatter. Das war doch schon mal etwas. Ich wollte eigentlich einmal über die Firma Boss schreiben, hatte auch schon damit angefangen, aber es dann beiseite gelegt. Ist irgendwie zu langweilig. Da schreibe ich mal lieber über die italienische Firma Raffaele Caruso. Die nichts mit dem berühmten Namensvetter Enrico zu tun hat. Der Firmengründer mit dem Vornamen Raffaele kam von Neapel nach Soragna. Einem Ort, bei dem man eine musikalische Assoziation konstruieren kann: Giuseppe Verdi kam aus dem Nachbarort. Die Firma mit dem Namen des italienischen Tenors ist dreizehn Jahre jünger als Brioni (die haben ➱hier schon einen Post) und zwei Jahre jünger als Kiton.

Natürlich gibt es Verbindungen zwischen italienischen Tenören und der italienischen Schneiderkunst, Beniamino Gigli war einmal Schneiderlehrling. Und immer wieder hört man Geschichten von Tenören, die das Land verlassen und im Ausland berühmt werden. Und sich dann ihre Anzüge in Paris oder London machen lassen, um eines Tages die abgelegten Sachen in ihren Heimatort zu schicken. Wo sie auseinandergenommen, genau studiert und dann kopiert werden. So ist die Schneiderkunst der Savile Row angeblich nach Italien gekommen. Es ist eine Geschichte, die ich schon x-mal gelesen habe, immer mit anderen Namen. Eine davon wird wahr sein. Der berühmte Tenor Enrico Caruso war sicherlich auch ein eleganter Mann, dieses fare bella figura haben die Italiener ja drauf. Hier sehen wir ihn mit einem Aufschlag am Jackenärmel, so etwas hatte sich ➱Ian Fleming auch mal von seinem Schneider ➱Anthony Sinclair machen lassen.

Es gibt eine andere Geschichte, deren Struktur immer gleich bleibt: die Geschichte von dem jungen armen Schneider aus einem kleinen Kaff, der Italien verläßt und berühmt wird: My father was born in Italy into a family of tailors. He came to the United States in 1920 after an apprenticeship in Paris as a 17-year-old working in a shop on the Rue de la Paix owned by a famous cousin of his named Antonio Cristiani. If you can obtain a copy of January 1992 issue of American ‚GQ‘, you will see many photographs of Cristiani and his shop in Paris, and learn something of his distinguished clientele between the pre-WWI period and extending through most of the 20th century, since Cristiani’s tailoring style was continued by his two sons, who only recently retired and still live in Paris. In that same article, you’ll find a picture of my father, Joseph Talese. Das schreibt der amerikanische Schriftsteller Gay Talese, auf diesem Photo ganz rechts neben seinen eleganten Eltern. Er wurde zu einem großen Dandy, lange bevor ➱Tom Wolfe auf diesen Trip kam.

My father actually started working as a schoolboy in the Calabrian village of Maida where the Cristiani family had begun as tailors during the reign of Napoleon in the early 1800s. Napoleon’s brother-in-law, General Joachim Murat (Bild), was King of Italy for a brief period, and a Cristiani relative made some of his clothes. The village of Maida, incidentally, was the site of a land battle between the French and English forces in, or about, 1805; and, because the British were victorious, there is a district in London that celebrates the name of my father’s village of Maida. It is called Maida Vale. Gay Talese ließ sich seine Anzüge bei ➱Christiani machen (bevor er zu Brioni wechselte), er bekam bei den entfernten Verwandten Hausrabatt.

Bevor die Italiener die Welt erobern, erobern sie erst einmal Paris. Arturo Cifonelli, der vielleicht diese beiden eleganten Herren eingekleidet hat (wenn ➱Lino Ventura nicht doch einen Anzug von Mario de Luca trägt), kommt im Jahre 1923, de Luca 1948. Francesco Smalto, der bei Christiani und Joseph Camps (heute Camps de Luca) gelernt hat, eröffnet 1962 sein Maison in der Rue La Boétie. In der Straße haben ➱Charles Frederick Worth, ➱Henry James und ➱Picasso einmal gewohnt.

Raffaele Caruso wollte noch nicht die Welt erobern, er wollte sich erst einmal in der finanziellen Tristesse des Nachkriegsitaliens eine Existenz schaffen (das pro Kopf Einkommen in Italien lag damals vierzig Prozent unter dem deutschen). Er war seinem Bruder (der bei den Carabinieri war) nach Soragna gefolgt und machte eine kleine Schneiderei auf. Zwei Angestellte: seine Frau und seine Schwägerin. Dann beantragte er Fördermittel aus dem Marshall Plan, von dem damals die ganze italienische Mode profitierte.

Man kann zu diesem Thema mehr in Nicola Whites Buch Reconstructing Italian Fashion: America and the Development of the Italian Fashion Industry lesen. Und auch der ➱Katalog des Victoria & Albert Museums The Glamour of Italian Fashion Since 1945 enthält ein Kapitel über die italienische Herrenmode, das leider sehr mager ist.

Den Katalog möchte ich allerdings nicht empfehlen, ich habe mit dem Kauf ein Jahr gewartet, bis der Preis des Katalogs gesunken war. Und das war gut so. Das Buch ist dick und inhaltsleer. Nur glamour und glitz, aber modehistorisch sehr dürftig. Da bietet der Katalog Italian Fashion von Grazietta Butazzi aus dem Jahre 1987 noch mehr (der witzigerweise von der Banco di Santo Spirito verlegt wurde). Ich weiß nicht, was sich der Direktor des V&A Martin Roth (der ➱hier einen Post hat) dabei gedacht hat, dies hier ist doch eher Showbusiness statt Kulturgeschichte.

Was kann man schon von einer Ausstellung erwarten, die als Sponsoren Bulgari und Nespresso hat? Viel mehr über die italienische Mode erfährt man in Irene Brins Buch Morbidezza, und das gibt es bei Amazon Marketplace ab 63 Cent. Der Marshall Plan war natürlich nicht auf Italien begrenzt, auch wir in Deutschland profitierten davon. Wenn ich in den fünfziger Jahren nicht den ➱Trolleybus nahm, sondern mit der Bahn nach Bremen fuhr, saß ich immer in einem Abteil, in dem ein kleines Schild verkündete: Gefördert mit den Mitteln des Marshall Plans.

Die italienische Herrenmode braucht nach dem Krieg etwas länger, um den Weg zu finden, den die italienische Damenmode (lesen Sie hier den langen Artikel ➱Cinecittà und die Mode) längst gefunden hatte. Die auch dank des Marchese Giovanni Battista Giorgini schnell Beziehungen zu den großen amerikanischen Läden wie Bergdorf Goodman knüpfte. Wir müssen bedenken, dass die italienische Herrenmode an nichts anknüpfen konnte. Zwar gab es einige berühmte Schneider wie hier ➱Domenico Caraceni, aber lo stile Italiano ist eine Sache der fünfziger Jahre.

Für die alta moda maschile gab es keinen Organisator wie den Marchese Giorgini, aber immerhin gab es es in 1952 in San Remo eine erste Modenschau. Und es gab Vorbilder wie die römische Firma Brioni, die in den fünfziger Jahren von der Flut italienischer Schauspieler in Rom profitierte. An Schneidern war kein Mangel, wahrscheinlich kam in den fünfziger Jahren auf tausend Einwohner ein Schneider. Dies hier ist nicht das typische verliebte italienische Pärchen, das sind Audrey Hepburn und Mel Ferrer 1958 in Rom. Wir können wohl annehmen, dass auch die eleganten Klamotten von Mel Ferrer aus Italien stammen.

In den Anfängen war der kleine Familienbetrieb der Carusos noch nicht in den olympischen Höhen der Sartoria Italiana, heute kann die Firma (die inzwschen an der Börse notiert wird) mit den großen Namen locker mithalten. Der Firmenname war zuerst MaCo, was sich aus den Wörtern Manifatture und Confezioni herleitet, erst in den neunziger Namen wählte man den Namen des Firmengründers (den man allerdings schon lange zuvor auf den Etiketten hatte). Manifatture und Confezioni, Konfektion mit den Ansprüchen der Schneiderkunst. Wenn Sie sehen wollen, wie Manufaktur und Konfektion in der Wirklichkeit funktionieren, schauen Sie doch einmal in dies ➱Video hinein.

Ich weiß nicht, wie alt mein ältestes Caruso Jackett ist, aber ich passe immer noch hinein. Was natürlich daran liegt, dass die Sachen früher etwas weiter geschnitten waren. Das Etikett sieht genau so aus wie das hier, nur etwas bunter. Und dieses Caruso Prodotto in Italia dal 1958 mit dem C im Wapperl ließ sich die Firma Manifatture Confezioni (Ma.Co.) s.r.l. in 43100 Parma auch in den neunziger Jahren in den USA als Warenzeichen schützen. In New York haben sie auch – dank Umberto Angeloni – mittlerweile einen Flagship Store im ehemaligen Standort der Kunstgalerie Spanierman. Der ganze Laden wurde von Giuseppe Amato entworfen und gebaut, ein klein bisschen schräg war man bei Caruso schon immer. Da braucht man nur einmal auf die Website zu schauen. Angeloni hat das erklärte Ziel, alle sechs Monate einen Flagship Store aufzumachen. Die nächsten Standorte sollen Mailand, Shanghai und Moskau sein, auch ein Laden in Deutschland ist geplant.

Seit Umberto Angeloni, den man früher einmal Mr Brioni nannte, das Ruder übernommen hat, hat Caruso seine Rolle als graue Maus der alta sartoria abgelegt und scheint auf dem Weg zu sein, ein global player zu werden. Was immer eine gefährliche Sache ist. Wenn man sich die Geschichte der Firma ➱Ermenegildo Zegna oder den Siegeszug von ➱Pierre Cardin anschaut (beide Firmen sind schon im Blog portraitiert), dann weiß man, dass weltweite Größe beinahe immer zu Lasten der Qualität geht. Vielleicht ist das Krokodil an der Wand eine Warnung für Angeloni. Oder es ist ein Symbol für Angelonis Gefräßigkeit. Der Mann, der die Marke Brioni von einem verschnarchten C&A für Millionäre wieder zu einer Weltmarke gemacht hatte, scheint Brioni den Rauswurf nicht verziehen zu haben. Offensichtlich baut er jetzt Caruso aus, wie er damals Brioni aufbaute.

Wie viele italienische Firmen, die einen Manufaktur Status besitzen, beliefert Caruso auch große Namen der Modewelt, die keine eigene Fertigung besitzen. Die Namen, die hier immer genannt werden, sind Ralph Lauren (allerdings nur die ➱Purple Line), ➱Christian Dior, Lanvin und ➱Givenchy. Auch der Name Francesco Smalto (Bild), der einst Jean Paul Belmondo, ➱Sean Connery, Depardieu, Mitterrand, ➱Kennedy und Charles Aznavour (der in seinen Konzerten seinen Smalto Anzug erwähnte) einkleidete, ist dazugekommen.

Francesco Smalto (der früher einmal bei Nervesa fertigen ließ) ist vor kurzem gestorben, er wurde siebenachtzig Jahre alt. Er hat wie kein anderer in den siebziger Jahren die Pariser Herrenmode geprägt (auf einem etwas höheren Niveau als ➱Renoma), sie können in dem Post ➱Waltz into Darkness (in dem ich unter dem Vorwand, einen Truffaut Film zu besprechen, über die Pariser Mode schrieb) mehr dazu lesen. Françoise Sagan hat einmal über ihn gesagt: un de ces rares hommes qui peuvent mêler le luxe et la sobriété, le quotidien et l’éclat. C’est un artisan et un seigneur.

Hier ist die Familie Caruso noch nicht angekommen, das Schloss in Soragna gehört noch der Adelfamilie Meli-Lupi. Die Firma Caruso sitzt in einem Industriegebiet, das wenig vom Glanz des Schlosses hat und auch keine Assoziationen zu ➱Stendhals Kartause von Parma aufkommen lässt. Mittlerweile sind noch Fabrikanlagen in Ponte dell’Oglio hinzugekommen.

Man will keine Show und keinen Glamour, niente fumo, solo arrosto, hat Alberto Caruso einmal in einem Interview gesagt (hier sein Vater, der Firmengründer Raffaele Caruso). Alberto Caruso hat mit seinem Bruder Nicola in den neunziger Jahren das Unternehmen verändert: neue Fabrikgebäude, moderne Computer. Der Grund für die völlige Modernisierung war ein blonder Österreicher namens Werner Baldessarini.

Der hatte als Chefeinkäufer von Wagenheimer in München die Qualität der Produkte aus Soragna schätzen gelernt, jetzt wird er der größte Kunde der Firma. Denn der Boss Konzern erlaubte seinem Chef Designer und späteren CEO eine eigene Linie, die als Baldessarini Hugo Boss firmierte (und die ➱hier einen Post hat). In dieser Zeit wurde Caruso auch in Deutschland bekannter, weil immer mehr führende Herrenausstatter die Firma führten, häufig ohne das Caruso Etikett als Private Label Sakko (mehr als die Hälfte der Herrenausstatter machten das nach Agenturangaben so). Fritz Unützer aus München versicherte noch 2002, Caruso sei das einzige Produkt in dieser Preislage, das in der Anmutung in die Nähe eines Kiton-Sakkos kommt.

Damals kosteten die Sakkos um 600 bis 700 Euro, das hat sich ein klein wenig geändert. Interessant ist aber für die Kalkulation der Einkaufspreis des Händlers, der bei einem Sakko bei 210 Euro begann. Der Erstellungspreis bleibt immer der gleiche, unabhängig vom Modell und vom Preis des Stoffes. Und für den geradezu lächerlichen Aufschlag von 21 Euro bekam der Kunde die Details der Schneiderlinie: offene Ärmelschlitze, kissing buttons, funktionale Knopflöcher am Ärmel, den Schriftzug Hand Made in Italy auf dem Aufhänger etc. Ich persönlich liebe es ja, wenn ein Jackett dieses hübsche Detail der Schneiderarbeit hat, dass das Ende des Kragens umgeklappt und auf der Unterseite vernäht wird.

Die Jacketts tragen manchmal den Namen des Webers (wie Carlo Barbera, E. Thomas und Loro Piana) im Futter (oder in den Innnentasche eingenäht), Firmen wie Brioni und Kiton (denen jetzt die Weberei Carlo Barbera gehört) verzichten darauf. Das Futter ist immer 100% Cupro, das ➱Ärmelfutter hat den gelb-weißen Dienstmädchenstreifen. Obgleich es auch Sakkos mit blau-weißen Streifen gibt. Was mir immer ein Rätsel bleiben wird, ist das kleine Etikett Old Cotton in den Baumwolljacketts. Was ist old cotton? Sollen wir dabei an them old cotton fields back home denken?

Der Musterverlauf ist bei Caruso bei Karos, Glenchecks und Linien immer passend (dies Jackett hätte nicht unbedingt sein müssen, illustriert das aber sehr schön). Das ist bei Brioni und Kiton natürlich auch so, und Belvest, Canali und Pal Zileri bekommen das auch leicht hin. Die deutsche Firma Regent (die ➱hier einen Post hat) kriegt das selten hin. Warum eigentlich? Gut, es kostet mehr Stoff beim Zuschneiden, aber bei den Preisen könnte man das eigentlich schon verlangen.

Offene Ärmelschlitze sind inzwischen bei Caruso die Regel (bei Regent noch nicht), es gibt entweder offene Knopflöcher oder solche, die darauf vorbereitet sind, geöffnet zu werden. Manche Herrenausstatter (wie zum Beispiel Braun in Hamburg) haben auch Sakkos mit offenen Ärmeln ohne Knöpfe und Knopflöcher im Angebot. Ist eine schöne Sache, um eine perfekte Armlänge anzupassen, aber dann muss man auch einen Schneider haben, der es versteht, eine perfekte Seidenraupe um ein Knopfloch zu sticheln. Ich konnte kein Photo von einem Caruso Jackett finden, da habe ich eins von Boglioli genommen. Das ist eine Firma, die jetzt unter ihrem eigenen Namen berühmt geworden ist, davor hat sie sie die Sakkos für andere genäht, wie für die Firma Etro (für die Caruso auch einmal gefertigt hat).

Im Schatten des Erfolges von Caruso wuchs in Portugal eine andere Firma heran, die in Deutschland auch von der ➱Agentur von Enrico Borghetti und Moritz von Bülow repräsentiert wurde. ➱Kelly hatte Diniz & Cruz damals auch, als er die Firma Caruso ins Angebot nahm, er suchte natürlich immer die schrägsten Stücke aus der Kollektion heraus. Ich habe mein sehr auffälliges gelbkariertes Diniz & Cruz Jackett mittlerweile verschenkt, aber ich muss sagen, dass die Firma wirklich gute Caruso Imitationen zum kleinen Preis bietet, ich habe das schon in dem Post ➱Herrenausstatter geschrieben. Und mein altes Tweedjackett von den Portugiesen verschenke ich nie. Es ist ja kein Zufall, wenn Firmen wie Uli Knecht, Ed Meier, Unützer, Dantendorfer etc heute Diniz & Cruz für ihre Private Label Sakkos bevorzugen.

Da wir bei labels sind, da hätte ich noch dies hier, das nicht aus Soragna stammt. Die Vorfahren von ➱Enzo Caruso, der Herrenschneider in Santa Monica ist, sind am Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika gekommen. Es gibt die Carusos offenbar überall, ob sie nun nähen oder singen. Das Internet ist voll von Caruso, und das Internet ist nett zu Caruso. Die Firma ist inzwischen beinahe so berühmt wie der Tenor. Dafür hat Umberto Angeloni schon gesorgt.

In den Printmedien sieht man allerding kaum Anzeigen von Caruso, niente fumo, solo arrosto. Das ist doch mal eine schöne Philosophie. Sie servieren den leckeren Braten, aber nicht den Qualm der Werbung. Selbst Ende der siebziger Jahre, als die italienische Mode dank der vielen neuen Designer einen Höhepunkt hatte, schaltete die Firma nur ab und an in dem Fachblatt L’Uomo Vogue eine ganzseitige Anzeige. Damals gingen die Kampagnen von Armani und Ermenegildo Zegna schon über Seiten. Und viele Firmen, die einmal weit unten waren, jetzt aber ein trading up vollzogen hatten (ich denke da an Canali oder Corneliani), pflasterten die Seiten von L’Uomo Vogue zu. Ich habe ein halbes Dutzend Hefte aus der Zeit aus dem Regal geholt. Echte Nostalgie, die Hälfte der Firmen sind längst vom Markt verschwunden. Caruso ist immer noch da.

Ich habe auch einen Anlass, um über Caruso zu schreiben, ich habe mir nämlich gerade ein neues Caruso Jackett gekauft. Aus der Luxuslinie, dunkelblaues Leinen, schräge Taschen, Billetttasche. Und das Ganze für 25 Euro beim Herrenausstatter ebay. Fragen Sie mich nicht, wie ich so etwas immer hinkriege, ich werde es nicht verraten.

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