Ein Oberkellner sagte mir einmal: „Ich kann die Menschen immer an ihren Schuhen erkennen. Wer nur angeben und Eindruck machen will, trägt fabelhafte Anzüge, gibt aber nicht viel für seine Schuhe aus. Ein wirklicher Herr trägt immer erstklassige Schuhe.“ In der Regel wissen Oberkellner in solchen Dingen sehr genau Bescheid. Darum heißt mein erster Rat: Gehen Sie zu einem erstklassigen Schuhmacher und lassen Sie sich mehrere Paare sehr teurer Schuhe anfertigen. Sagt kein Geringerer als der ➱Herzog von Bedford in seinem Buch Traktat über die feine britische Art (The Book of Snobs), das er zusammen mit George Mikes schrieb. Der Herzog ließ sich übrigens seine Schuhe von John Lobb machen. Es lohnt sich schon, auf gutes Schuhwerk zu achten, denn wie John Wildsmith sagte: You are either in your bed or in your shoes, so it pays to invest in both.

Die Firma John Lobb in der St James Street ist nach Meinung vieler ganz oben auf der Rangliste der besten Londoner Maßschuhmacher. Ich selbst kenne nur einen Menschen, der sich in London ein Paar John Lobb Schuhe hat machen lassen. Als er die hier nach Jahren seinem Schuhmacher zum Besohlen brachte, hat der ihm gezeigt, wie schrottig seine Schuhe unter der Sohle verarbeitet waren. Finde ich sehr pikant, man weiß ja nie, was die Lehrlinge am Montagmorgen anrichten. Erinnert mich an die kleine Geschichte von Alexander McQueen, der als Lehrling bei Anderson & Sheppard angeblich I am a cunt in das Futter eines Jacketts für Prince Charles gestickt hat. Anderson & Sheppard hat sich alle Teile von Charles zurückgeholt, an denen McQueen gearbeitet hatte. Die Botschaft war nirgends zu finden.

John Lobb ist allerdings nicht gleich John Lobb, denn es gibt da noch John Lobb Paris (die zu Hermès gehören), deren Schuhe mal von Edward Green gemacht wurden. Die haben eine Fabrik in Northampton und ein Geschäft in London in der Jermyn Street (man kann sie auch bei Harrods und Selfridges kaufen), aber sie sind eine französische Firma. Frogs. Der größte Teil der John Lobb Schuhe, die bei ebay angeboten werden, ist von John Lobb Paris. Jemand wie Dr Sevan Minasian, der eine sehr schöne ➱Seite für Schuhe hat, setzt bei den echten John Lobb Schuhen immer in Klammern London hinzu.

Mich interessiert John Lobb eigentlich nicht so sehr, ich weiß auch nicht, ob ihre Schuhe wirklich so viel besser als die von Edward Green sind (von denen habe ich seit Jahrzehnten einige). Ich war auch nie in dem Laden. Mein Freund Peter schon, der hat sich da vor fünfzig Jahren Schnürsenkel gekauft. Fand ich sehr witzig. Sollte man auf die Liste der Dinge schreiben, die man als Tourist in London unbedingt machen muss. Da kommt dann Kaufen Sie Schnürsenkel bei John Lobb gleich hinter Testen Sie das Echo im Lesesaal vom British Museum.

Die Firma Edward Green war damals froh, als sie aus diesem Deal mit Hermès wieder heraus war (mehr dazu im Wikipedia Artikel). Zum Ärger von John Lobb gibt es da auch noch eine italienische Firma namens Lobb’s (man beachte das kleine Apostroph-s), die den japanischen Markt beliefert. Die hat natürlich keine royal warrants wie John Lobb London. In der Abbildung oben kann man drei davon sehen. Es sind aber nur noch zwei, die ➱Queen hat ihren royal warrant vor Jahren nicht erneuert, das sollte uns zu denken geben. Aber der ➱Herzog von Edinburgh kauft hier seit Jahrzehnten seine Schuhe. Als ihm Mr Lobb zum fünfzigsten Geburtstag gratulierte, sagte er: One of the reasons I am going so well is that I have always been so well shod. John Lobb war nie ohne Konkurrenz. Es gab immer Londoner Schuhmacher, die berühmter waren als John Lobb.

Der amerikanische Dandy ➱Lucius Morris Beebe, den Walter Winchell einmal Luscious Lucius genannt hat (und der schon ➱hier erwähnt wird), schrieb 1965: Passed along to me from John OHara is the saddening intelligence that Peal & Company of London, bootmakers to the English aristocracy for the last 173 years and probably the most celebrated firm of shoe cobblers in the world, has gone out of business, at least as custom purveyors of the finest handcrafted footwear the world has ever seen. Da wusste John O’Hara, der Autor von Appointment in Samarra und Butterfield 8, gar nicht mehr, wo er seine Schuhe kaufen sollte. Er hätte sich natürlich bei ➱Brooks Brothers Schuhe von Peal kaufen können, denn die hatten den Firmennamen gekauft. Sie lassen sich heute die Schuhe von Crockett & Jones liefern.

Noch ein anderer ➱Schriftsteller war Kunde bei Peal, schrieb die Firma sogar in seine Romane: He wore a single-breasted dark tan tropical suit and a white silk shirt with a shallow collar. The rolled ends of the collar were joined by a gold safety pin beneath the knot of a narrow dark red and blue striped tie that fractionally wasn’t the Brigade of Guards’. The cuffs of the shirt protruded half an inch below the cuffs of the coat and showed cabochon crystal links containing miniature trout flies. The socks were charcoal-grey silk and the shoes were old and polished mahogany and hinted Peal. The man carried a dark, narrow-brimmed straw Homburg with a wide claret ribbon. Wir können dieser Romanstelle aus Goldfinger (zu Goldfinger gibt es ➱hier einen Post) entnehmen, dass ein James Bond Roman sehr viel differenzierter ist, als es die zu Comics verkommenen James Bond Filme sind.

Samuel Peal brachte 1791 einen patentierten wasserdichten Schuh auf den Markt (wir wollen lieber nicht wissen, wie diese mit Terpentin behandelten Latex Schuhe ausgesehen haben) und machte dann 1793 pleite. Nach diesem Rückschlag zog er nach London und wurde dort schnell berühmt. 1851 durfte er seine Schuhproduktion bei der Weltausstellung im ➱Crystal Palace ausstellen, und hundert Jahre später stellte er beim Festival of Britain ein Paar Stiefel aus.

Das mit dem Stiefel war durchaus symbolisch, denn das Logo der Firma waren ein Jagdstiefel und ein Fuchs. So etwas konnte man sich in den Zeiten, als die Engländer noch nichts gegen die Fuchsjagd hatten, durchaus erlauben. Wer heute noch Füchse jagt, wird sich seine Stiefel wohl bei ➱Horace Batten kaufen. Ein Jahrzehnt nach dem Festival of Britain war für die einst stolze Firma Peal Schluss (und sechs Jahre später wird auch Codner, Coombs & Dobbie schließen): The Directors of Peal & Co. Ltd. announce with regret the closing of their bespoke workshops due to the ever-increasing difficulty experienced over the past few years in obtaining skilled labor to replace their long-serving staff who have left due to retirement and deaths. Übriggeblieben sind in den London Metropolitan Archives die 620 Feet Books aus den Jahren 1870 bis 1965, die die Maße von 100.000 Kunden enthalten. Namen dieser Kunden finden Sie zum Beispiel auf dieser ➱Seite.

Einer der ganz großen Londoner Namen in der Welt der Schuhe ist George Cleverley. 1898 geboren, in einer Familie von Schuhmachern aufgewachsen. Als Kind verkaufte er Schuhcreme und Schnürbänder auf der Straße. Nach der Lehre war er in der Armee und verbrachte den Ersten Weltkrieg in einer Schuhfabrik der Armee in Calais (offensichtlich reichen die Fabriken von ➱Rushden und Nottingham nicht aus). Nach dem Krieg war er achtunddreißig Jahre bei ➱Nikolaus Tuczec, dem  berühmtesten Londoner Schuhmacher der dreißiger Jahre. 1958 machte er sich selbstständig und eröffnete seinen Laden in der Cork Street.

Seine Kundenliste war lang und voll von bedeutenden Namen. Der Schauspieler Terence Stamp (der ➱Sergeant Troy in Far from the Madding Crowd) ist seit Jahrzehnten ein Fan, er hat Kenneth Branagh vor Jahren zu Cleverley geschickt. Und der hat seine teuren Schuhe dann in dem Film My Week with Marilyn getragen. Wo er feststellte, dass Sir Laurence Olivier, den er im Film an der Seite von Michelle Williams spielt, die gleichen ➱Schuhe besaß. Das ist jetzt eine neue Form des ➱method acting. In der Zeit, in der Cleverley für Tuczec arbeitete, hat er auch die Schuhe für Humphrey Bogart, Gary Cooper und Cary Grant gemacht. Und die Slipper für Winston Churchill. Als General Eisenhower die gesehen hatte, hat er Cleverley angerufen und gesagt: Make me a pair just like Winnie’s.

Cleverley war bis zu seinem Tod im Jahre 1991 immer noch tätig. Unter anderem als Berater für New & Lingwood, die die Firma Poulsen Skone gekauft hatten. Die ist heute nur noch ein Name, aber es hat die Firma wirklich gegeben. In dem schönen Buch Up West: Voices from the Streets of Post-War London von ➱Pip Granger kann man viel über sie lesen. Vor allem über John Carnera, der bei Mr Skone als Lehrling begann, heute gehört ihm die Hälfte von CJ Cleverley. Carnera hat nach dem Tod von George Cleverley Schuhe gibt es immer noch, der Firmenname wurde nach seinem Tod von Cleverley von Carnera und seinem Partner George Glasgow geschickt vermarktet (lesen Sie ➱hier mehr). Die Schuhe waren auch in dem ➱Film Kingsman zu sehen, der Werbeauftritt der Firma ist schon ein wenig ordinär (was sollen GC signierte Uhrarmbänder?) Man hat noch seine Leisten und bemüht sich, den Stil des Meisters und seinen (wie er es nannte) suspicious square toe zu kopieren.

Die meisten Londoner Konkurrenten von Lobb, wie zum Beispiel Henry Maxwell (deren Stiefel berühmt waren), existieren heute nur noch dem Namen nach. Henry Maxwell und Foster and Son Schuhe werden von der selben Firma angeboten. Foster & Son wurde 1840 gegründet und war damit eine der ältesten Londoner Firmen. Hundert Jahre später gab es immer noch einen Mr Foster, aber der wurde 1941 Opfer einer deutschen Fliegerbombe. Seine Witwe tat sich mit einem anderen Schuhmacher zusammen und führte das Geschäft fort. Seit 1966 ist es in der Jermyn Street.

Aber von den Maßschuhen, die um die 3.000 Pfund kosten (➱Herbert Haderer in Salzburg, bei dem Arnold Schwarzenegger seine Schuhe kauft, macht das für die Hälfte des Preises), kann man nicht leben, und so bietet die Firma – die das Logo mit dem Reitstiefel und dem Fuchs 1965 von Peal gekauft hat (auch ein Weg, um eine künstliche Tradition zu schaffen) – auch fertige Schuhe an. Aber wer macht die? Das ist die Frage, die in hunderten von Foren hunderte von Besserwissern beschäftigt. In den meisten Fällen wird es wohl Edward Gree sein, wenn man einen Schuh von Foster & Son kauft. Manche spekulieren, dass die Schuhe von Cheaney kommen. Und dass die Schuhe der Schwesterfirma Maxwell für den japanischen Markt von Grenson sind. Da wollen wir mal nicht hoffen, dass das die Grenson Schuhe (G-Two) sind, die in Indien hergestellt werden.

Es ist immer wieder die gleiche Geschichte: es gibt eine ehrwürdige Front, eine vornehme Adresse, eine lange Geschichte, tausend Namen von berühmten Kunden. Schauspieler, Herzöge, Könige. Alan McAfee, nach dem dieser Absatztyp heißt, machte mal die Schuhe von Fred Astaire. Auch von ihm ist nichts übrig geblieben, außer dem dovetail toplift insert, das in der Branche als McAfee Heel bekannt ist. In den achtziger Jahren geriet McAfee in Schwierigkeiten, danach wurden die Alan McAfee Schuhe zuerst von Church (das ist die  Marke, für die Bernhard Roetzel in seinem Buch über den Gentleman Reklame macht) und dann von Cheaney gemacht.

Die ehrwürdige Firma konnte damals auch nicht von dem größten whizzkid der Branche, den sie als Creative Director beschäftigten, gerettet werden. Der hieß Oliver Sweeney und war mit fünfzehn Jahren in das ➱Swinging London der Sechziger gekommen. Fing bei dem Maßschuhmacher McAfee an (I loved handmade shoes. At McAfee, I never wanted the shoes to go out to the customers. I could handle them, look at them, for hours) und wurde eines Tages dort sogar Direktor.

Als Church den Firmennamen Alan McAfee kaufte, blieb Sweeney nicht bei der Firma. Er präsentierte 1989 sein eigenes Label: Oliver Sweeney. Ich zitiere dazu einmal den IndependentWhen Sweeney set up his own company in 1989, he began developing his techniques with the aim of creating a kind of ‚demi-bespoke‘ product: shoes that were factory-made but of a quality reminiscent of the bespoke pairs worn by the likes of Cary Grant and James Stewart. So Sweeney’s shoes are sold ‚off-the-shelf‘ but each customer should feel he is buying and wearing a bespoke product.

Ich habe seit Jahrzehnten einen Schuh von ihm, der den Namen Dirk Bogarde hat (das habe ich schon in dem Post ➱Dirk Bogarde erwähnt). Stand auf dem Karton drauf, musste ich kaufen. Ich nehme an, dass der Schuh aus der ersten Kollektion von Sweeney stammte. Der sich offensichtlich einen alten Tuczec oder Cleverley Leisten mit diesem bevelled waist als Vorbild genommen hat. Leider finde ich mein Modell nicht im Internet, aber ich sehe mit Vergnügen, dass Oliver Sweeney einen ähnlichen Leisten mit dieser eckig weggeschnittenen Sohle immer noch im Programm hat (im Absatz oben).

Der schon erwähnte Lucius Beebe (hier in einem Anzug von Henry Pool mit Howard Hughes und Lily Pons) hat in seinem Essay über Peal & Co auch die Firma Alan McAfee erwähnt, deren treuer Kunde er war. Mit leichtem Amüsement notiert er: Because I am their only regular customer with a Nevada address, my infrequent visits to their dusty premises give them, I think, a certain pleasure. Their preconceived notions of the American West have a cachet of the Wells Fargo years about them, and the fact that I do not wear fur trousers and a brace of shooting irons is a surprise and disappointment to the clerks in long yellow dustcoats and whiskers to match.“But what do you do, sir, with evening slippers in your part of the world?“ Manchmal ist die Provinzialität der Engländer wirklich rührend.

Sie machen alle die gleiche Sorte Schuh. Genormt wie eine Schuluniform. Nur einem perversen Zeichner wie ➱Ronald Searle kann es einfallen, einem korrekt mit einem ➱Morning Coat bekleideten Bräutgam diese Schuhe an die Füße zu zeichnen. Nein, für den Gentleman und die anglophilen Herren überall auf der Welt, kann es nur den klassischen englischen Schuh geben. Ich zitiere da noch einmal den ➱Wien Führer aus dem Jahre 1927:

Wer etwas auf einen distingierten Fuß hält, trägt entweder englische oder ungarische Schuhe. Die nobelsten und anspruchvollsten Füße von Wien lassen sich von zwei echt englischen Schustern bekleiden: Coyle & Earley am Karlsplatz. Die sind so vornehm, daß sie nicht einmal eine Auslage haben, aber die Stammkunden, Aristokraten, fremde Diplomaten, Gutsbesitzer finden den englischen Schuster auch so. Mag es irgendwo auf der Welt eine Schuhmode geben, die die Schuhe runder, spitzer oder eckiger erscheinen lässt, es kümmert die Engländer nicht. Das Revolutionärste in der englischen Schumacherei, war wahrscheinlich der loafer, den Wildsmith 1926 für George V machte. Seitdem gehört dieser Typ Schuh (den heute Edward Green als Modell Harrow anbietet), auch zum englischen Gentleman. Aber ebenso wie die Spikes niemals zum Cutaway.

Wir lieben die Engländer, weil sie so traditionell sind. Oder wir mögen sie nicht, weil sie so langweilig sind. Und tragen Italiener, Franzosen, Spanier oder Portugiesen. Die können auch Schuhe machen. Und viele spanische und portugiesische Firmen haben schon in Lohnfertigung Schuhe für namhafte englische Firmen gemacht. Die englische Schuhindustrie sonnt sich im Licht der Vorzeigefirmen, aber englischer Schuh ist nicht gleich englischer Schuh. In dem Forum Moda – Forum for the real fashion luxury schrieb Urban vor einem Jahr unter dem ➱Titel Schuhe aus England – Nein, danke! einen kritischen Artikel. Ich kenne den Verfasser, er versteht viel, sehr viel von Schuhen (seine Lieblingsschuhe stehen auf dieser Liste), man sollte seine Argumente ernst nehmen.

In ihrem wunderbaren Buch The Secret Diary of Adrian Mole. Aged 13 3/4 läßt Sue Townsend den kleinen Adrian Mole am Tag vor der Hochzeit des Prinzen von Wales in sein geheimes Tagebuch schreiben: I hope the Prince remembers to remove the price ticket off the bottom of his shoes, my father didn’t at his wedding. Everyone in the church read the ticket: ‚9 1/2 reject, 10 shillings“. Stand auf den Schuhen von Charles bestimmt nicht drauf (reject erst recht nicht), egal ob er nun Tricker’s (die von ihm einen royal warrant haben) trug oder John Lobb wie sein Vater.

Auch Meisterschuhmacher machen Fehler, und so gibt es selbst bei Edward Green rejects (meistens innen mit einem R gestempelt). Diese Schuhe aus zweierlei Leder fallen wohl auch darunter. Bei John Lobb in London gibt es natürlich keine rejects, der Chef guckt sich jeden Schuh noch einmal genau an. Aber kleine Fehler können auch die Lobbs machen. Als Eric Lobb einmal zum Buckingham Palace gerufen wurde, stellte er im Taxi kurz vor den Palasttoren fest, dass er in der Eile zwei verschiedene Schuhe angezogen hatte. Wir wollen mal annehmen, dass er damit nicht so ausgesehen hat wie der junge Mann in P.G. Wodehouses ➱Kurzgeschichte The story of Cedric, der am Tag seiner Hochzeit quietschegelbe Schuhe zu seinem Morning Coat trägt.

Einen interessanten Weg zum Überleben bei den immer steigenden Mieten in Londons City hat die Firma James Taylor & Son gefunden. Es gibt den Maßschuhmacher seit 1857, vor Jahrzehnten hatten sie mal – das fand ich sehr witzig – eine Baker Street Collection. Das mit der Baker Street bot sich an, die ist um die Ecke. Wahrscheinlich fanden die Touristen das ganz toll, sich ein Modell Dr Watson zu kaufen. James Taylor & Son macht immer noch Maßschuhe, verkauft aber Classic Comfort Shoes für 195 Pfund. Und offeriert – und da würde man bei John Lobb tot umfallen – deutsche Finn Comfort Schuhe. Wir können dem Ganzen entnehmen, dass es der Firma nicht auf snob appeal ankommt, denen geht es um Fußgesundheit.

Es gibt da noch einen Laden in London, in dem man handgemachte Schuhe kaufen kann. Ist nicht jedermanns Sache, aber der Kuriosität halber muss er erwähnt werden. Der Laden hat den schönen Namen The Old Curiosity Shop, aber den hat er natürlich erst, seit der gleichnamige Roman von ➱Charles Dickens erschienen ist. Doch das alte Haus soll das Vorbild für Dickens‘ Roman gewesen sein, da dürfen sie sich schon so nennen. The Old Curiosity Shop gehört dem Designer Daita Kimura, man muss klingeln, wenn man hinein will. Wenn Sie ➱dies anklicken, können Sie einen Blick auf die schräge Kollektion werfen. Für konservative Kunden gibt es aber auch Schuhe von Tricker’s im Laden.

Was ist die Zukunft der Londoner Firmen? Werden sie ihre Miete bezahlen können, um ihre vornehmen Läden in der Jermyn Street (wo inzwischen selbst Charles Tyrwhitt ein Geschäft hat) oder ähnlichen Straßen halten zu können? Oder liegt die Zukunft bei den independents der Branche wie zum Beispiel Clifford Roberts? Der hat mit ➱Cliff Roberts, Artisan hier schon einen Post. Und das gibt mir Gelegenheit, noch einmal meinen schönen Cliff Roberts Schuh abzubilden. Vielleicht sind Schuhmacher wie Cliff Roberts (oder Schuhmacherinnen wie ➱Hendrikje Ehlers) die wirkliche Zukunft.

Und nicht die großen Namen und die großen Luxuskonzerne. Und sie alle kennen die Grundwahrheit ihres Handwerks: The art of a good handmade shoe lies in its lightness and springiness, but it will also be a solid shoe and last a long, long time. The leather must be well worked, well hammered, so as to get the pores tight. And the everything depends on the last. If you don’t get it right, it’s a washout. Hat schon George Cleverley gesagt. Möge Sankt Crispin (der auch schon zu einer Marke geworden ist) mit ihnen sein. Das hier, auf dieser von Ronald Searle gezeichneten Werbung, ist natürlich nicht Jay beim Aufräumen von Büchern. Weil Jay gar keine Church Schuhe besitzt.

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