Die junge Dame, die aus ihrem Mini Cooper kletterte, grüßte mich. Ich grüßte zurück, wusste aber nicht, wer sie war. Sie trug einen weißen Mundschutz, der eine Gesichtserkennung unmöglich machte. Wir bewegten uns auf den Supermarkt zu, als ich hörte, dass sie zu ihrer Freundin sagte: Hörst Du diesen Klang? So klingen nur Luxusschuhe. Ich sagte: Es sind englische Schuhe. Sie drehte sich um und sagte: Ich habe Sie schon häufig hier gesehen, Sie tragen immer hervorragende Schuhe. Frauen achten also auf Schuhe. Und können sie am Klang erkennen. Ich fand die kleine Geschichte sehr witzig. Die Schuhe, die ich trug, kamen von Crockett & Jones, dieses Modell in orange, nur in einem besseren Zustand. Ich verlor die Dame im Schlemmer-Markt aus den Augen, doch plötzlich fiel mir ein, dass es die Frau sein könnte, die mir im Sommer vor zwei Jahren an der Kasse sagte: Sie sind sehr elegant und stilvoll gekleidet. Das sieht man bei Männern nicht so häufig gesagt hatte. Ich habe die Geschichte schon in den Post Computer hinein geschrieben. Was wären wir ohne kleine Eitelkeiten.

Die kleine Parkplatzgeschichte ist natürlich ein schöner Grund, einmal über die Firma Crockett & Jones zu schreiben. Sie wurde 1879 von Charles Jones und James (später Sir James) Crockett in Northampton gegründet. Sie ist heute immer noch im Familienbesitz, allerdings nur noch der Familie Jones, der letzte Crockett verließ 1952 die Firma. Als man 1879 dank eines Darlehens von 100 Pfund vom Thomas White Trust (dem ältesten Unterstützungsfond der englischen Wirtschaft) mit der Schuhproduktion begann, hatte man zwanzig Angestellte. Doch die Firma wird schnell wachsen. Im Ersten Weltkrieg produziert man als Höhepunkt 600.00 Paar Stiefel für die Armee, heute hat man einen Umsatz von 30 Millionen Pfund. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg steht die persönliche Tragödie. Sir James Crockett, Friedensrichter und Philantrop, wird zwei seiner Söhne, den Leutnant Clifden James Crockett und den Captain Lawrence Crockett, verlieren. Die Kriegsverluste sind in der englischen Aristokratie und der Upper Class überdurchschnittlich hoch.

Während des Krieges ist Northampton zu einer wirtschaftlichen Macht geworden, sechzig Millionen Paar Schuhe wird man herstellen, es gibt noch über hundert Fabriken. 1922 wird James Crockett geadelt, zwei Jahre später führt er den Duke of York durch seine Fabrik. Man produziert damals 15.000 Schuhe in der Woche, die Masse davon sind übrigens erstaunlicherweise Damenschuhe. Mit den Branchenriesen wie Goliath Footwear oder J Sears & Co und ihrer Handelsmarke True-Form kann man nicht konkurrieren

In den dreißiger Jahren beginnt man bei Crockett & Jones mit einer großangelegten Werbung. Für Herrenschuhe hat man den Namen Health Brand erfunden, man bewirbt die Schuhe noch in den fünfziger Jahren mit Texten wie: You will be wise to ask for ‚Health‘ Brand, probably the best shoes you can buy. Quiet, manly styles built by craftsmen from leather that is a joy to feel. Miles and miles better than shoes costing only a little less. Leaflet and address of your nearest stockist sent on request to Dept. N.8 Crockett & Jones Limited. Northampton.

Für die englische Lady hat man auch eine Linie, die Swan Shoes heißt. Obgleich es da bei der Firma am Anfang der Werbekampagnen noch ein wenig durcheinandergeht, auch ➱Herrenschuhe werden unter dieser Marke angeboten. Diese Anzeige ist von 1947, ➱Salvatore Ferragamo macht da andere Schuhe für die Damen. Die vielleicht nicht so lange halten wie ein rahmengenähter Swan Schuh. Im Jahre 1974 wird man die Health und Swan Marken aufgeben, die Schuhe werden dann nur noch Crockett & Jones heißen. Es sei denn, ein Händler oder eine Marke möchte ihren Namen auf dem Schuh haben, dann heißen die Schuhe Shipton & Heanage, New & Lingwood oder Peal & Co. Oder Unützer, Ralph Lauren und Baldessarini.

Letzteres gilt natürlich nur für die Firma von Werner Baldessarini, der sich seine Schuhe von Crockett & Jones und Laszlo Vass machen ließ. Crockett & Jones, die sich in den 1890er Jahren Goodyear Maschinen aus den USA bestellten, haben immer an der traditionellen Herstellung festgehalten: Well, we make our shoes from high-grade skins. And we don’t stamp them out en masse by machine. Each skin is marked out by hand, in the way that will suit the shoe best. Then we hand-cut and last and stitch each shoe. Wenn Schuhe heute mit dem Wort rahmengenäht beworben werden, dann ist das ein ungenauer Begriff, denn die meisten Schuhe sind nicht wirklich rahmengenäht, weil sie statt des Rahmens ein gemband besitzen. Die Schuhe von Crockett & Jones auch. Und auch – da müssen die Fans von Edward Green jetzt ganz stark sein – die Schuhe der Luxusmarke haben leider nur ein gemband, keinen echten Rahmen.

In den siebziger Jahren ging es der Firma nicht so gut, das sagt auch der Managing Director Jonathan Jones. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir damals bei Shipton & Heanage ein Paar Crockett & Jones Wildlederschuhe für die Hälfte des Preises kaufte, war kein Ausverkauf. So etwas gibt es bei Shipton & Heanage heute natürlich nicht mehr. Heute ist Crockett & Jones wieder ganz oben. 89 Jahre nach dem Besuch des Duke of York wird wieder ein Mitglied des Königshauses die Firma besuchen. Charles ist auf einer Tour durch das Königreich um die Best of British Firmen zu besuchen, die Tour dauerte zwei Tage. Wir können daraus schließen, dass es nicht mehr so viele Firmen gibt, die dieses Best of verdient haben.

Crockett & Jones gehört natürlich dazu. Charles durfte auch ein Paar Schuhe mitnehmen, er wählte sich dieses schlichte Modell aus. Er bekam auch noch Schuhe für seine Söhne mit, zweimal das Modell Tetbury. Der Schuh ist im Augenblick besonders begehrt, weil ihn James Bond (sprich Daniel Craig) in Skyfall getragen hat. Das Tetbury Modell hat den Leisten No. 348, die Werbelyriker von Crockett & Jones können sich bei der Beschreibung des Leistens gar nicht mehr einholen:

Produced in November 2004. Last 348 is a versatile Main Collection last with a square toe. It is arguably the most important last that Crockett & Jones has developed in recent times. Dating back to 2004, last 348 became the most forward thinking last of a generation of shoemakers, setting Crockett & Jones apart. Housing the largest collection of styles, 348 has become an icon in itself. Normalerweise würden wir so etwas ja unter purple passages verbuchen, aber hier stimmt jedes Wort. Ich habe diesen loafer mit dem Leisten 348, und ich kann nur sagen: rattenscharf. Allerdings in dem Schnee, der gerade draußen liegt, würde ich ihn nicht tragen.

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